Sonntag, 7. August 2005

Damals in der Postmoderne ...

Plözlich am frühen morgen eine Erinnerung. Klar und ohne allzugroße Details. Damals irgendwo im kleinen Städtchen Salzburg - als wir begriffskonzeptiv die Postmoderne erkundeten, im Weinlokal in der Sigmund-Haffner-Gasse oder in einer Nische der philosophischen Fakultät. Es war aufregend, den Puls der Zeit im Denken zu spüren, und wir waren froh, die Moderne endlich los zu sein. Klar gab es da die Frankfurter Schule und andere, die wir trotzdem weiter lasen, aber die neuen Stichwortgeber kamen aus Frankreich und Foucault war dabei noch der modernste, was zu dieser Zeit nichts anderes hieß als: der traditionellste. Die wahren Postmodernen waren Baudrillard, Virilio und Derrida.

Doch es war nicht nur diese Erinnerung an einen geistigen Zustand, es war gleichzeitig eine Sehnsucht spürbar, eine Sehnsucht nach damals aus diesem post-postmodernen Heute heraus, rückwärtsgewandt, dorthin, wo wir uns nicht vorstellen konnten, was postmodern leben heißt. Und diese Ungewissheit damals hatte ich plötzlich wieder als Geschmack auf der Zunge, eine Ungewissheit, die viel von unserer Neugier ausmachte.

Heute wissen wir es, heute sind wir mittendrin - aber nicht in der Postmoderne, sondern in einer Zeit, die keinen Bezug mehr aufweist zur Moderne. Also nicht Post-Irgendwas, sondern Irgendwas, ohne Bezug, die totale Beliebigkeit. Spätestens seit heute weiß ich nicht nur den Unterschied, ich spüre ihn auf meiner Haut und an allem, was mich umgibt. Da kann die BZÖ Regierungsverantwortung beanspruchen und keiner muckt auf, da spielt das Nationalteam in Burgenlanddressen und alle finden es super. Irritierend ist nur, dass aus dem Bundesadler nicht schon längst ein Backhenderl geworden ist.

Las vor einigen Tagen einen Essay eines Rumänen, der den Titel hatte: Derrida kommt - und war verblüfft darüber, was Derrida in den Karpaten bedeuten kann. Wie explosiv dieses postmoderne Gedankengut interpretiert und benutzt werden kann. Vielleicht müssen wir nur in den Osten, alle, je weiter, je besser, und vielleicht wartet ja ganz im Osten mein fernes Argentinien, und meine Anden, die die Postmoderne nur vom Hörensagen kennen.

Auch Rumänen haben Namen. Sorry Alex Popov, hab deine Geschichte in weißen Unterhosen nun nachrecherchiert. Sie kam letztes Jahr im November in der Volltext-Literaturzeitung (Magazin ist mir in diesem Zusammenhang zu negativ besetzt) und sollte eigentlich hier! zu finden sein, wenn der Link wieder funktioniert. Bei mir hat er es nicht getan.

Am Anfang war kein Wort ...

peter lau schreibt im brandeins 05/2005 zum Tod des Kapitalismus: Mit Worten habe ich es nicht so. Also im Verbund gern, wenn sie schön zusammengesetzt sind. Aber einzelne Begriffe, hingehustet wie von aufgeregten Asthmatikern? Die nichts außer sich selbst bezeichnen? Und natürlich die Aufregung des Hustenden? Ohne mich. Der amerikanische Schriftsteller William S. Burroughs behauptete vor einigen Jahrzehnten, Sprache sei ein Virus, und ich glaube, die Krankheit hat uns alle erfasst. Genau wie Marken Produkte ersetzt haben, sodass wir heute statt Sachen übergeschnappte Bedeutungs-Cluster kaufen, entziehen Worte den Dingen ihre Kraft und setzen sich an ihre Stelle, sodass wir über sie reden, statt zu ändern, was sie einst bezeichneten. Wie ein Virus saugt das Gerede unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit auf, wie ein Virus breitet sich Thema auf Thema aus, bis alle sich angesteckt haben. Und dabei halten wir die Krankheit für einen unverzichtbaren Teil unseres Lebens, denn bekanntlich heißt es: Am Anfang war das Wort. Aber das stimmt nicht.

An anderer Stelle gibt derselbe noch einen "Kurzen Überblick über alles" frei nach dem Motto "Leben heißt lernen".

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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