Samstag, 22. Oktober 2005

Gestern abend ...

... bei uns im Weinkeller. Viel degustiert und gelacht und über das Schreiben geredet - den eigenen Anspruch und den Anspruch der anderen. Und den Müll, der tagein, tagaus produziert wird und die Bedeutungen mit sich reißt.

21102005

Und dann schreibt Ulrich Greiner heute über Adalbert Stifter die folgenden Sätze: "Ich will Sie nicht zu Stifter überreden - er ist und bleibt ein spröder Autor -, sondern nur darauf hinweisen, dass es auch die Aufgabe der Schriftsteller ist, Expeditionen an die Ränder der üblichen Kommunikation zu unternehmen. Sie wecken damit unser Verständnis für die Sprache, die wir pausenlos benutzen und vernutzen. Der Vorgang bringt es mit sich, dass manche dieser Texte uns fremdartig erscheinen, gar unverständlich, jedenfalls nicht "gut geschrieben". Gut schreiben aber kann inzwischen jeder halbwegs Gebildete, und wenn er es nicht kann, so mag er ein Schreibseminar besuchen. Große Literatur aber ist etwas anderes."

An anderer Stelle, in einem anderen Text, Peter Handke über denselben, präzise wie meistens: "Jedem Jahr- und Jahreszeitenprosaschreiber sollten die verschiedenen Phasen der Stifterschen Erzählungen als eine Art Zeitschiene dienen, vor allem, in der Regel, die Übergänge von der dritten zur vierten, letzten Bearbeitung - wie noch die kleinsten Spuren von Satzautomatik und Bildrhetorik da gestutzt und gelichtet werden zu Dingfestigkeit und Bildtreue, ein bisschen wie bei einem so behutsamen wie entschiedenen, an die Wurzel gehenden Baumschnitt."

Weit zurück in dem leeren Nichts ...

.... ist etwas wie Wonne und Entzücken, das gewaltig fassend, fast vernichtend in mein Wesen drang und dem nichts mehr in meinem künftigen Leben glich. Die Merkmale, die festgehalten wurden, sind: Es war Glanz, es war Gefühl, es war unten. Dies muss sehr früh gewesen sein, denn mir ist, als liege eine hohe, weite Finsternis des Nichts um das Ding herum.

Dann war etwas anderes ...

Immer mehr fühlte ich die Augen, die mich anschauten, die Stimme, die zu mir sprach, und die Arme, die alles milderten. Ich erinnerte mich, dass ich das "Mam" nannte.

Diese Arme fühlte ich mich einmal tragen. Es waren dunkle Flecken in mir. Die Erinnerung sagte mir später, dass es Wälder gewesen sind, die außerhlab mir waren. Dann war eine Empfindung, wie die erste meinen Lebens, Glanz und Gewühl, dann war nichts mehr ....

Noch ein anderes Ding der Stube war mir äußerst anmutig und lieblich und fast leuchtend in meiner Erinnerung. Es war das erste Fenster an der Eingangstür. Die Fenster der Stube hatten sehr breite Fensterbretter, und auf dem Brette dieses Fensters saß ich sehr oft und fühlte den Sonnenschein, und daher mag das Leuchtende der Erinnerung rühren ....

In meiner Erinnerung ist lauter Sommer, den ich durch das Fenster sah, von einem Winter ist von damals gar nichts in meiner Einbildungskraft.


Adalbert Stifter schrieb "Mein Leben" Anfang September 1866, als er seine Elternhaus im böhmischen Oberplan und das Grab seiner Mutter besuchte. 17 Monate später, in der Nacht vom 25. auf den 26. Jänner 1868 schneidet er sich mit dem Rasiermesser den Hals auf. 95 Jahre vergehen. Dann komme ich. Wir schreiben das Jahr 1963. Dieser Tage feiert man seinen 200. Geburtstag.

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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