Nature

Montag, 28. Juli 2008

Sensation im Höllental: Erstes Foto der Gamseidechs ...

Neulich im Höllental stiegen wir aus der hochwasserführenden Schwarza hinauf in die Wände der Stadlwand, die ebenfalls wie ein Wildbach die Senkrechte füllte. Einzig der windumspielte Richterkamm, der das Wetter teilte und irgendwie nicht Teil davon war, bot uns trockenen Stein, den wir nahmen. Nebel rissen, Wolken fetzten, Sonnenlicht streifte unstet umher. Am letzten Grataufschwung des Stadlwandgrates, der sich wieder verstärkt in Nebel hüllte, dann - ein seltener Glückfsall - sahen wir sie, die sagenumwobene Gamseidechs. Kurz nur tauchte sie hinter dem letzten Grataufschwung auf und verschwand so schnell, wie sie gekommen war. Über die Schönleiten hinauf bis zum Klosterwappen liefen wir ihr nach, bis wir im dichter werdenden Nebel einsehen mussten, dass wir die Spur verloren hatten.

Was uns blieb, war der Moment der sich kreuzenden Blicke, die kurze Verbundenheit mit dem Fremden Getier und das unscharfe Foto, das wir geistesgegenwärtig aus der Hüfte schossen und diese Geschichte untermauert.

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Samstag, 1. März 2008

Emma schaut vorbei ...

und es gibt Leute, die aus Angst, ihre Bäume vor dem Haus könnten dem Sturm zum Opfer fallen, selbst Hand anlegten, und sie freitags noch umgemäht haben. Warum lässt man die Natur nicht mehr machen? Ist demütiges Warten wirklich so unakzeptabel geworden, dass man lieber selbst zerstört, als von einer möglicherweise zerstörerischen Kraft heimgesucht zu werden? Anstatt zu beten, zu bangen, flüchten wir ins affirmative Tun. Und nehmen vorweg, was zwar nicht unvermeidbar scheint, aber doch immerhin möglich. Wir wollen ein Leben bar jeder Überraschung. Das Andere, das plötzlich vor der Tür steht, ist eine Bedrohung. Was nicht ins Heimelige übersetzbar ist, macht Angst. So oder so. Und die Natur? Ist nur noch als Garten erträglich und unter Zwergbewachung.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Into the wild ...

Hier geht es nicht um die alte Gegenüberstellung Buch gegen Film - das vorweg. Hier geht es darum, dass ein sehr authentischer Stoff ziemlich authentisch verfilmt wurde. Sean Penn ist ein guter, ich ahnte es bereits. Und Herr Fuchs, der in seinem Beitrag auf Totalvernichtung aus ist, ist ein dummer, das ahnte ich auch. Symptomatisch dumm, denn er glaubt, es reicht, seine Ignoranz zu kultivieren, um als Filmkritiker durchzugehen.

Hier geht es wohlgemerkt nicht darum, ob "Zabriskie Point" oder "No Country For Old Men" besser ist. Hier geht es nicht darum, zu zeigen, dass man seine kleine Filmgeschichte gelernt und auch das aktuelle Kino im Kopf hat. Es geht darum, was dieser Chris McCandless an sich hat, das diesen Fuchs so auf die Palme bringt. Er ist - auch im Film - alles andere als überheblich oder besserwisserisch, wie Fuchs behauptet. Er kann einfach zuhören und schlägt damit Brücken zwischen Menschen und Generationen. Er ist ein Reisender, Herr Fuchs. Wissen Sie, was das heißt? Waren Sie schon einmal in ihrem Leben länger als drei Monate allein unterwegs? Oder - wenn Sie wollen - eine Nacht im Wald - allein? Wissen Sie, was da passiert mit einem? Das klingt jetzt ziemlich nach der Neo-Hippie-Idylle, die Herr Fuchs so verachtet. Aber ich fühle mich ohnehin in dieser Verachtung wohler als bei einer Umarmung von ihm.

John Krakauers Buch bleibt ein geheimnisvolles Buch. Egal, wie viel Bestsellerlisten es durchwandert. Und ich muss zugeben: ich hatte Angst vor den Bildern. Ich hatte Angst, dass meine sich nicht behaupten können. Jetzt - nach dem Film - muss ich sagen: die Angst war unbegründet. Das Geheimnis hat seit gestern abend ein paar Facetten mehr. Und ist das nicht das Schönste, was man über diesen Film sagen kann?

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Sie wollen Kritik? Nun gut: die Inserts am Anfang sind unheimlich dilletantisch. Sie wollen Abstand? Damit kann ich nicht dienen. Da sprechen sie am besten mit Herrn Fuchs, der hat so viel Abstand zu allem, was wesentlich ist, dass er mir leid tut.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Vulkan spuckt aufs neue Jahr ...

Gerade liefen mir zwei Rauchfangkehrer über den Weg und jetzt lese ich, dass Freund Llaima im Conguillio-Nationalpark in Chile nach 13 Jahren wieder ausgebrochen ist. (Wer hat ihn eingesperrt?) Die Behördenvertreterin Carmen Fernandez meint dazu: "Wir wissen nicht, was der Vulkan als nächstes macht." No, na - das ist so, wenn ein Vulkan zu spucken beginnt, Natur unkontrolliert sich gebärdet - spukt.



Und hier ein Bild des Llaima von unserer letzten Patagonien-Reise, als wir an seiner Ostflanke durch die Araukarien-Wälder und kilometerlang über Lavakrusten fuhren. Hier ist Natur nicht gezähmt, sondern immer noch unbehauene Scholle. Unheimelig. Das ist in Ordnung so.

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Ich erinnere mich an meinen Winter auf dem Vulkan Villarica vor 10 Jahren und an den Feuerschein am nächtlichen Himmel. Er war unruhig damals, er spukte, war unheimlich, aber er spuckte nicht. Und ich erinnere mich auch, wie das Leben einfach weiterging, wir jeden Tag zur Arbeit fuhren - auf den Vulkan. Da wird man demütig.

Egal, wie viel Rauchfangkehrer einem über den Weg laufen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Vom Walden und Roden ...

Armin Thurnher schreibt über den Wald: Vor 20 Jahen hörte man, er sitze auf Nadeln, seine Tage seien gezählt, und jetzt wächst er, als wäre nichts geschehen.

Der Wald als Erbe. Der Wald als Politikum. Der Wald als Metapher. Der Wald kann vieles sein, aber meistens - so lesen wir - ist er grün, tief, düster, dunkel oder rauschend. Er beginnt dort, wo das Dorf, die Zivilisation endet.

Der Wald ist alles andere als ein Wäldchen, kein Garten und kein deutscher Forst, wo die Bäume in Reih und Glied stehen. Im Wald, da sind - das wissen wir aus frühester Kindheit - im besten Fall die Räuber (- Hali, Halo, die Räuber, im Wald sind sie zuhaus). Der Wald als Partisanenort, als Versteck. Der Wald als Labyrinth. Lieber auf Heideggers "Holzwegen" als in den Wäldern Thoreaus (Walden). Der Wald als Wildniss? John Krackauer. Meine Empfehlung - ein schlichtes Muss für jeden Waldgänger!

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Der Wald und die Lichtung. Schon wieder Heidegger? Oft sieht man die Bäume nicht vor lauter Wald. Erst die Diagonale im Bild lenkt den Blick auf den Baum, den ausgehebelten.

Bild: Querwaldein vor wenigen Wochen

Freitag, 27. Juli 2007

Las montanas de mi casa ...

Wetter super stabil im Winter. Die Anden jeden Morgen in einem roten Leuchten. Milde Tage und frostige Nächte. Wenn das der Winter ist, dann steht er mir gut. Wenn ich jetzt Felle bei mir hätte, würd ich eine Tour machen auf meinen Hausberg, den Cerro Plata (6360 m - im Bild links), wenn ich die Schi mit hätte. Da dem nicht so ist, gibts Spiegelei ohne Ei. (Anspielung auf den Text von Kathrin Passig - hier in diesem Blog).

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Sonntag, 8. Juli 2007

Kleinodien ...

Als ob unsere lauteren Absichten geprüft werden sollten, mussten wir durch eine Regenwand hindurch, bevor wir im großen Höllental und unter blauem Gebälk standen, durch die Loswand turnten, den Praterstern am Plateau keines Blickes würdigten, sondern durch Moorwiesen hinüber zur Dirnbacherhalt, hinein ins einsame Kar der Lechnermauern, wo wir uns endlich eine Rast gönnten - weit weg von allem und sehr aufmerksam bei uns. Über den Weg hinunter sei kein Wort verloren, Substanzverlust in allen Muskelfasern, dehydriertes Stolpern bis zum Schluss. Am Ende sehr versöhnlich in der Schwarza wundgeleckt und beim Preinerwirt gespeiset -Christoph, Silke und das, was von mir übrig war. Ein wahrlich Kleinod dieser Tag.

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Der Fotograf, sein Objekt und der Schatten.










Im Wikipedia lesen wir dazu: Ein Kleinod ist es etwas Kleines, eine Kleinigkeit oder ein Gastgeschenk. Auch ein Begriff aus der Heraldik: die Verzierung eines Ritterhelms. Später wurde der Begriff für eine fein und zierlich gearbeitete Sache, ein zierliches Schmuckstück (Ring, Kette, Agraffe) und in wirklichem und übertragenem Sinn für alles Wertvolle verwendet.

Dienstag, 6. Februar 2007

LANIN - wo Patagonien am höchsten ist

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Beim Aufstieg haben wir uns ganz korrekt an das Verkehrsschild gehalten.

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Aufgenommen im Morgengrauen in der Gipfelflanke des LANIN ...

Erst als wir uns fertig machten zum Weitergehen und uns wie zufällig umdrehten, sahen wir den großen Schatten, den unser Berg hinauswarf in den Westen und sich dort über den vor sich hinrauchenden Villarica legte. Meinen Vulkan, auf den ich vor 10 Jahren einen Winter lang mit 10 Spanischvokabeln im Kopf mein Brot als Schilehrer verdiente.

Ich weiß noch, wie oft damals mein Blick sehnsüchtig herüberglitt zu dem mit seinen 3780 m fast 1000 Meter höheren und ungleich steileren Lanin. Er war unerreichbar damals während dieses langen Winters, meines ersten in Patagonien, das wusste ich bald, weil jeder schöne Tag ein Arbeitstag war und ich nur dann etwas freie Zeit hatte, wenn kein Hund mehr auf die Straße wollte. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass ich mich damals, obwohl ich meine Tage im Freien und in der Natur verbrachte, trotzdem irgendwie eingesperrt fühlte, weil mein Aktionsradius keine andere Bewegung zuließ, als das asketische Hinauf- und Hinunter an den Hängen dieses einen Vulkans.

Sonntag, 5. November 2006

Kontrastprogramm ...

panorama

... mit Peter am Gardasee. Noch einmal den warmen Fels berühren, während sich in Österreich die Schneefallmeldungen überschlagen. Und während wir vom BELVEDERE-Balkon das aus der Distanz wie immer spielerisch wirkende Treiben am See als erstaunlichen Hintergrund verbuchen, fällt mir der Text von Kathrin Passig ein, mit dem sie sich diesjährig durch den Bachmann-Auflauf wühlte und gewann. Ich denke an sie, wie sie im Text geduldig bemüht ist, den Schnee-der-vor-IHR-liegt in den Schnee-der-hinter-IHR-liegt zu verwandeln.

Es ist alles eine Frage der Zeit und der Hingabe. Wenn ich genug Zeit hätte, könnte ich allen Schnee der Welt in Schnee-der-hinter-mir-liegt verwandeln, ihn hinter mir wieder glattstreichen und jede Spur meiner Durchreise tilgen. Aber ich bin etwas in Eile, und meine Hände, willige Helfer bis vor wenigen Stunden, sträuben sich jetzt gegen mich, als hätte ich ihre Loyalität überstrapaziert. Auch zu den Füßen ist der Kontakt abgerissen, aber bei meiner Fortbewegungsart habe ich ohnehin keine Verwendung für sie. Lähmung ist hinderlich für das Bein, so steht es bei Epiktet oder Joe Simpson, aber nicht für mich. Die Beine werden selbst zusehen müssen, wie sie zurechtkommen, ich kann mich heute nicht um alles kümmern. Man kann uns kaum vorwerfen, dass wir unvorbereitet waren. Anne besaß eine Seite aus einem kostenlosen Tourismusprospekt, auf der immerhin der Anfang dessen, was wir für unseren Weg hielten, eingezeichnet war. Und ich besitze immer noch ein Digitalfoto der im Ort ausgehängten Winterwanderkarte, an dem ich mich orientieren könnte, wenn meine Kamera nicht die Angewohnheit hätte, bei niedrigen Temperaturen die Arbeit einzustellen. Natürlich müsste ich außerdem in der Lage sein, den Reißverschluss meiner Tasche zu öffnen und die Kamera zu bedienen, und schließlich scheint auch der Begriff der Orientierung eine gewisse Vorstellung von dem Punkt, an dem man sich befindet, zu beinhalten. Es ist, wie Anne zu sagen pflegt: ”Wenn wir jetzt Schinken hätten, könnten wir Rührei mit Schinken machen, wenn wir Eier hätten."

Ich lache in die Landschaft und bin froh, dass wir beides haben: Rühreier und Schinken.

Samstag, 19. August 2006

Die schönsten Tage der Kindheit ...

oder die Sehnsucht danach, wenn man alt wird ... wunderbar eingefangen von:
Philip Roth, Everyman, 2006, s.122 - (dt. Jedermann, Hanser)

"nach der schlanken Gerte, die damals sein Körper war und die sich von weit draußen, wo die Wogen sich aufbauten, auf den Wellen zum Strand tragen ließ, die Arme vorgestreckt wie eine Pfeilspitze und der dünne Rest dahinter wie der Schaft, und so glitt er dahin, bis sein Brustkorb über die winzigen spitzen Kiesel und die schartigen Venusmuscheln und die pulverisierten Seemuscheln am Uferstreifen schrammte und er aufsprang und gleich wieder zurück in die flache Brandung rannte, bis das Wasser ihm an die Knie reichte und tief genug war, dass er sich wieder hineinstürzen und wie wild den aufsteigenden Brechern entgegenschwimmen konnte - in den herandrängenden grünen Atlantik hinein, der so unaufhaltsam auf ihn zuwogte wie die unabweisbare Zukunft - und wenn er Glück hatte, kam er rechtzeitig an, um die nächste und die nächste und die nächste, bis der niedrige Stand der auf dem Wasser glitzernden Sonne ihm sagte, dass es Zeit zum Gehen war. Nass und salzig, lief er barfuß nach Hause, in Gedanken noch erfüllt von der Gewalt der unendlichen See, die in seinen eigenen Ohren gebraust hatte, und leckte an seinem Unterarm, um die vom Ozean erfrischte und von der Sonne verbrannte Haut zu schmecken. Das ekstatische Gefühl, einen ganzen Tag lang bis zur Betäubung von der See umhergeschleudert worden zu sein, der Geschmack und der Geruch, das alles berauschte ihn so sehr, dass nicht viel gefehlt hätte, und er hätte zugebissen, um ein Stück aus sich herauszureißen und seine fleischliche Existenz ganz und gar auszukosten.

So schnell er auf den Fersen laufen konnte, überquerte er die von der Sonne noch glühenden betonierten Gehsteige und ging, bei ihrer Pension angekommen, nach hinten zu der im Freien aufgestellten Dusche mit den glitschigen Sperrholzwänden, wo feuchter Sand aus seiner Badehose fiel, wenn er sie auszog und unter das kalte Wasser hielt, das ihm auf den Kopf prasselte. Die Macht der Brandung, das sengendheiße Pflaster, der eisige Schock der kalten Dusche, die Wonne der straffen neuen Muskeln, der schlanken Gliedmaßen und der stark gebräunten Haut, die nur die an seinem Unterleib versteckte blasse Narbe von der Leistenbruchoperation aufwies - in diesen Augusttagen, nachdem die deutschen U-Boote zerstört waren und man keine Angst mehr haben musste vor ertrunkenen Matrosen, gab es nichts, was nicht wundervoll klar war. Und nichts an seiner körperlichen Vollkommenheit, das ihm Anlass gab, es nicht als selbstverständlich zu betrachten."

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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