Teifl - so a Turm ...
Geplant war der Kirchengrat auf den Ödstein und eine Gesäuse-Überschreitung, solange sie Spaß macht. Nein. Geplant war die Südwand des Festkogels, wenn sich in der Früh - unten am Jonsbach - mein Klettergurt gefunden hätte. Gut. Spaß machte die Überschreitung bis zum Gipfel des Ödsteins. Also eigentlich bis zu ihrem Ausgangspunkt. Denn schon der erste Gratzapfen, der unumgehbar war, brachte den Abbruch. Der Blick vom großen Ödstein hinunter zum Teufelsturm (Abseilturm) machte klar, dass diese Überschreitung heutzutage seilfrei nur mit großen objektiven Gefahren zu machen ist. Ich sage "heutzutage", weil ich vermute, dass sich der Teufelsturm im Vordergrund auch schon mal in besserem Zustand präsentierte und die milden Winter und Blitzeinschläge der letzten Jahre aus diesem Turm ein morsches Gebilde gemacht haben, das jede Minute in sich zusammenbrechen kann. Auch fällt auf, dass Teile der Spitze (mindestens 5 Kubikmeter - siehe oberer Pfeil im kleinen Bild) kürzlich abgebrochen sind - oder war das schon immer so? - und (wie ich vermute) auch den unteren Gratteil (unterer Pfeil plus Vergrößerung) gesprengt haben.
Fazit: so wunderbar die Nord- und Südwände im Gesäuse sind, so prekär sind die Grate dazwischen. Schon am Kirchengrat, wo wir auf den Gr. Ödstein eine eigene Linie wählten, hatte man manchmal das Gefühl, dass nicht Griffe auszubrechen drohen, sondern körpergroße Schuppen, Quader (wohlgemerkt mit perfekten Kalkstrukutren an der Oberfläche), die nur mehr lose mit dem Fels in Verbindung sind. Das führt jede gediegene 3-Punkt-Technik ad absurdum.Freue mich diesmal übrigens ganz besonders über alle großen und kleinen Pit Schubert´s, die meine Einschätzung kommentieren. Da geht´s doch um was. Denn im XEIS-Führer ist diese Überschreitung nach wie vor ausgepriesen. Zu Unrecht, wie ich meine!
Der Abstieg über die (blau-markierte) Südsüdost-Schulter des großen Ödsteins brachte dann nochmals pikante Kletterei im Steilgras, die unsere Konzentration auf die Probe stellte. Am Ende war es wieder einmal eine Runde, die viel einbrachte - an Erfahrung, an Selbsteinschätzung und an Demut - diesem alten Wort.
Die letzte Einstellung? Zeigt mich im ernsten Telefongespräch mit einem Freund, der Tage zuvor im düsteren Abendlicht auch meinen Klettergurt in seinem Rucksack verstaut hatte. Nein, sie zeigt uns, wie wir im Gasthaus zur "Bachbrücke" Flusskrebse mti einem Sauvignon Blanc vom Skoff hinunterspülen. Im Rücken die Nordwände des Gesäuses in der Abendsonne.
Wir kommen wieder!
coyote05 - 23. Jul, 09:53





Es läutet. Peter kommt zur Tür herein. Und während er lachend vor mir steht, die Fotos in der Hand, als hätte ich gestern darum gefragt, schaue ich an ihm vorbei und zur Tür hinaus, die noch halb offen steht und den Blick frei gibt auf das, was sich vor 10 Jahren eingebrannt hat in mir, in Ceusse.
Ich will über das Klettern schreiben und beschreibe das Gestein. Ich will das Gestein beschreiben und denke an die Bewegung. Was dazwischen liegt, sind Geschichten, die ich mir selbst erzähle. Oft sind es einfach nur Fakten, hinter denen man sich verstecken und heldenhaft fühlen kann. Fakten wie Klappentexte, denen ich jedoch langsam misstraue. Eine Route, das ist etwas Ausgedachtes, das nicht ganz erfunden ist, und etwas Wahrgenommenes, das nicht bloß entdeckt wurde. Zu dauerhaft ist der Stein und zu intensiv in ihrer Vergänglichkeit ist die Linie, die der Körper beschreibt, um das eine oder andere ganz zu sein.

... das ist keine Neutour in der Sonnenuhrwand, sondern einfach ein erhebliches Durcheinander (rot punktierte Linie). Nach jeder Seillänge zusammen mit Werner relativ spontan entschieden, wie es weitergeht. 
