Secrets

Freitag, 25. Juli 2008

Die Liebe in Zahlen ...

Im aktuellen BrandEins zum Schwerpunkt Liebe finden sich ein paar interessante Zahlen, die ich ihnen nicht vorenthalten will. Beachten Sie vor allem die letzten beiden Zahlenreihen zur Arbeit und zur "lieben Not".

: Anteil der Frauen in der Türkei, die Opfer ehelicher Gewalt wurden, in Prozent: 34
: Anteil der Frauen in der Türkei, die mehr als ihre Ehemänner verdienen und Opfer ehelicher Gewalt wurden, in Prozent: 63
: Durchschnittliche Zahl der Liebhaber/innen im Leben eines(r) Bayern(in): 6,6
: Durchschnittliche Zahl der Liebhaber/innen im Leben eines(r) Sachsen-Anhaltiners(in): 4,5
: Anteil der Männer auf einem amerikanischen Universitäts-Campus, welche die von einer Frau gestellte Frage "Würdest du heute Abend mit mir schlafen?" mit Ja beantworteten, in Prozent: 75
: Anteil der Frauen, die auf dieselbe Frage eines Mannes mit Ja antworteten, in Prozent: 0
: Zahl der Mitglieder ein und derselben Familie, die künftig in der Ölraffinerie Ballsh in Albanien arbeiten dürfen: 1
: Zahl der Mitarbeiterinnen, die deshalb die Scheidung von ihren in der Raffinerie beschäftigten Männern einreichten: 10

Und noch was zur Liebe abseits der Zahlen: "Meine Stärke ist meine Schwäche." (Tao)

: Reichweite der menschlichen Stimme bei Windstille, in Metern: 180

Donnerstag, 13. März 2008

Let´s talk. A bit. Or more.

You talk when you cease to be at peace with your thoughts;
And when you can no longer dwell in the solitude of your heart you live in your lips, and sound is a diversion and a pastime.
And in much of your talking, thinking is half murdered.
For thought is a bird of space, that in a cage of words many indeed unfold its wings but cannot fly.

There are those among you who seek the talkative through fear of being alone.
The silence of aloneness reveals to their eyes their naked selves and they would escape.
And there are those who talk, and without knowledge or forethought reveal a truth which they themselves do not understand.
And there are those who have the truth within them, but they tell it not in words.
In the bosom of such as these the spirit dwells in rhythmic silence.

When you meet your friend on the roadside or in the market place, let the spirit in you move your lips and direct your tongue.
Let the voice within your voice speak to the ear of his ear;
For his soul will keep the truth of your heart as the taste of the wine is remembered
When the color is forgotten and the vessel is no more.

Khalil Gibran

gefunden in: http://www.flickr.com/photos/31069635@N00/102357642/

Und hier noch eine erste Übersetzung von mir: ist das nicht wunderschön, wie sich die
Gedanken hier bewegen. So möchte ich leben, mit jedem Atemzug.

Du sprichst, wenn du aufhörst mit deinen Gedanken in Frieden zu sein;
wenn du nicht länger verweilen kannst in der Einsamkeit deines Herzens, dann lebst du in deinen Lippen, und deine Laute sind dir Ablenkung und Zeitvertreib.
Und in vielem, was du sagst, ist das Denken beiseite gebracht.
Weil der Gedanke ein Vogel ist, der im Käfig der Worte zwar flattern aber nicht fliegen kann.

Manche unter euch suchen das Geschwätz, weil sie Angst haben, allein zu sein.
Denn in der Stille des Alleinseins werden sie ihres nackten Seins gewahr, vor dem sie fliehen.
Und dann gibt es jene, die beim Sprechen - ohne es zu wollen - eine Wahrheit freilegen, die sie selbst nicht verstehen.
Und wiederum jene, die tragen die Wahrheit in sich und verlieren kein Wort darüber;
in deren Brust der Geist in rhythmischer Stille verweilt.

Wenn du deinem Freund auf der Straße begegnest, lass den Geist in dir deine Lippen bewegen und deine Zunge lenken.
Lass die Stimme in deiner Stimme zum Ohr in seinem Ohr sprechen;
und seine Seele wird die Wahrheit deines Herzens erinnern wie den Geschmack des Weins, wenn seine Farbe vergessen und das Gefäß längst verloren ist.

Dienstag, 22. Januar 2008

Der Traum vom Heimkehrer ...

Er war überrascht, wie früh es eigentlich war, als er sich in die Flügeltür seiner Absteige fallen ließ. Als er beim Portier nach dem Schlüssel zu seinem Zimmer verlangte, hielt er instinktiv eine Hand vor, um den verräterischen Atem zu verbergen, obschon er wusste, dass sein Rausch durch keine Geste, durch nichts zu verbergen war. Dabei war ihm, als ob die Welt in seinem Inneren gefangen war. Der Druck an seinen Schläfen machte ihn beinahe ohnmächtig. Sein Herzschlag kroch die Wände entlang, als er sich die Stiegen hinauf hievte.

Entgangen war ihm jedoch, dass, noch während er sich dem Stiegenhaus zugewandt hatte, die Zimmer eiligst vertauscht worden waren, als Vorsichtsmaßnahme ob seiner Trunkenheit. Vorsichtsmaßnahme? Schon wieder hatte er ein Diktat im Kopf. Doch wer diktierte ihm diese Sätze? Er sah Schatten an ihm vorbeihuschen, hörte ein Flüstern überall, Türen schlagen, und alles war unendlich weit entfernt. Nein, nicht unendlich weit. Sondern zum Greifen nahe und dennoch unerreichbar. Plötzlich war da ein Schmerz im Raum, in seinem Körper. Er hatte sich mit einem Fuß zwischen zwei Geländersprossen verfangen, war ausgerutscht und dumpf aufgeschlagen, er spürte den Tritt der hölzernen Stufe in seinen Rippen, er spürte den stechenden Schmerz und spürte den Schmerz des Holzes.

Während er begann, sich aufzulösen, seine Sinne sich verloren mit dem Pochen, wurde eine Stimme immer klarer und ein Satz: „Der fehlende Stein im Bogen.“ Es musste ein Rätsel gewesen sein, und hier hielt er die Auflösung in den Händen. Doch er wusste nicht, dass er auf der Suche war, noch konnte er sich den so eindringlich scheinenden Sinn dieses Satzes erklären. Er mußte an steinerne Bögen in der Antike denken, an Löwenreliefs und verschlungene Leiber.

Seine Kammer sollte er nie erreichen. Das Stiegenhaus führte wie eine Riesenmuschel nach oben, eine Spirale, aus der er sich nicht entwinden konnte. Alles um ihn ächzte und stöhnte. Sein Blick verlor sich in der Vertikalen. Auch er war dabei, ihn zu verlassen. Was ihm blieb, war eine Vogelperspektive auf sich selbst, ausgestreckt daliegend. Hineingeworfen in ein Bild, das für ihn das letzte war. Ein Engramm aus Steinen, Bögen und Spiralen.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Es ist nicht das Licht allein ...

Manchmal hat man nichts zu sagen und bleibt trotzdem beredt - in den Worten eines anderen. Ich nehme ein altes, verstaubtes Buch zur Hand: Darin ist es vier Uhr früh. Die einundzwanzigste Stunde. Und ich beginne zu lesen - buchstabiere kreuz und quer, nach denkend als sagte es ich - dieses eine Wort: FRIEDEN

"Nachts kehre ich die Bildschirmfarben um, weiße Zeichen auf schwarzem Grund. So reicht die Nacht randlos vom All bis an meine Worte, und die leuchtenden Worte stehen gleichauf neben dem Licht der Sterne.

Meine Tinte ist das Licht ... Licht, das alles berührt ... Nach der Liebe ist das Licht die wunderbarste Zärtlichkeit der Welt ... erst durch die Nacht wird das Licht zu einem wahren Leuchten. In einer klaren Nacht sieht man hinaus in die Unendlichkeit. Wie schwarzer Schnee fällt die Dunkelheit, kühl, herzlos und sanft, und der Raum verliert sich in Zimmern und unter den Lampen in Lichtdomen. Die Nacht ist unergründlich, die Liebe auch, das fügt sich. Dazwischen leuchten Bildschirme."


aus: Peter Glaser: 24 Stunden im 21. Jahrhundert

Sonntag, 9. September 2007

Rette mich Roppongi ...

Es gibt Dinge - da weiß man sofort, dass sie nur das sind, um von etwas anderem zu erzählen. Die sieht man und spürt diese besondere Aura, die sie umgibt. Es ist immer ein Flimmern um sie, als hielte sie jemand zittrig herein in unsere Wirklichkeit. Es kommt immer von drüben - wie das Blatt, das der Herbstwind vor mir tanzen ließ, kein Blatt war, sondern die Hand eines Freundes, der schon lange gegangen ist. Wie der Reiher, der nicht irgendwie landet, sondern "aufsetzt" wie eine gelungene Metapher.

Josef Winkler schreibt in "Roppongi. Requiem für seinen Vater": "Als wir von seinem Ableben erfuhren, stand ich in der österreichischen Botschaft in Tokio vor einer wandgroßen Glasscheibe. Ich schaute hinaus auf einen Teich mit orangefarbenen Wakinfischen, als ein Reiher mit weit auseinandergebreiteten Flügeln am Rande des Teiches aufsetzte. Der tote Vater hat sich also, dachte ich in diesem Augenblick der Trauer und des Glücks, in der Gestalt eines weißen Reihers noch einmal bei mir blicken lassen ... sein Fluch war in Erfüllung gegangen; wir reisten nicht zurück, sondern blieben in Roppongi."

lost-in-transation

Eine Ferne, die nah ist, eine Nähe die fern weilt. Das passende Bild aus Tokio kommt aus dem Wunderwerk "Lost in Translation", in dem sich Scarlett Johansson und Bill Murray in einem Sushi-Restaurant gegenübersitzen, so weit beeinander und so nah voneinander entfernt; in einem geteilten Blick, der abgrundtief und romantisch zugleich über dem Tisch vibrierend verweilt und doch nie zur Ruhe kommt. Ich gebe diesem Film einen neuen Namen und nenne ihn für mich die "ZEN MOMENTE DER LIEBE".

Sehen Sie den Reiher, wie er "aufsetzt"?

Mittwoch, 22. August 2007

Es gibt so wenig Neues von den Toten zu sagen ...

Gisela Hinsberger schreibt in der Presse über die Beziehung zu ihrem behinderten Kind. Selten war ich so aufgewühlt nach einer Zeitungslektüre und so sprachlos: es gibt so wenig Neues über die Toten zu sagen.

Der Anfang?

Ich erkenne dich sofort. Du liegst auf dem Bauch, dein Rücken ist mit Gaze abgedeckt. Du bist klein, kräftig und kahl, deine Wangen sind rund, und dein Kopf sieht verbeult aus. In deiner Nase steckte eine Sonde, bunte Kabel enden an deinem Körper. Du wimmerst leise, deine Augen sind zu. Vorsichtig strecke ich einen Finger in das Glashäuschen und berühre deine Wange. „Hallo du“, sage ich, und ich weiß, meine Liebe wird reichen.

Das Ende?

Ein Meter Kindergrab, deine Kleider, deine Bücher – grausam mager, was die Welt mir an Heimat noch bietet. Unter erbarmungslos blauen Himmeln stehe ich an Gräbern und lerne die Toten kennen. Bald kenne ich andere tote Kinder, manche leben in meiner Vorstellung, ich sehe sie mit roten Schubkarren unter dem Weihnachtsbaum stehen. Liebe ist stärker als der
Tod, sagen die Leute, geschäftig die Gießkannen schwenkend. Ich weiche ihrem Blick aus, denn der Tod ist gewaltig.

Die Zukunft wird zu einer Last aus Zeit, und ich packe die Vergangenheit und klammere mich fest. Doch Erinnerung ist Abglanz, und dein ewig starres Lächeln kommt mir bald wie eine Fratze vor. Verbissen kämpfe ich gegen das Vergessen, jeden Happen Erinnerung will ich ihm entreißen. Ich forsche, frage, suche, wühle, sammle, laufe, schreibe – bis ich es endlich aufgeben kann.

Im Herbst natürlich, im Sommer hätte ich nie aufgeben können, aber an einem Oktoberabend, als die letzten Sonnenstrahlen dein Grab abtasten, setze ich mich auf die Bank und hebe die Arme. Geh, ich kanndich nicht halten, schon sehe ich dich nicht mehr lächeln, schon ist mir entfallen, wie dünn deine Arme sich angefühlt haben. Die Erinnerung wird weiter verschwimmen, es wird kaum noch jemand deinen Namen aussprechen, es werden keine Leute mehr zu deinem Grab gehen, du wirst deinen Platz in der Welt verlieren, es gibt so wenig Neues über die Toten zu sagen. Tauben flattern über mich hinweg, die Gänseblümchen auf deinem Grab hätten dir gefallen, und die Katze, die sich auf ihnenputzt, hätte dich sofort zum Lachen gebracht. Sie zerdrückt die Blumen und wälzt alles platt, aber ich sehe ihr zu und rühre mich nicht.

Die Gewissheit, dass etwas bleibt, muss schon länger da sein, ich habe nicht gespürt,wie sie gewachsen ist, doch plötzlich weiß ich, dass ich dich finden werde, manchmal, wenn ich hinabsteige und die Tür zu jener ortlosen Kammer aufstoße. In ihrer schattigen Stille werde ich zu Hause sein, aber auch unter der Esche und am See im Spätsommerlicht. ■

Sonntag, 20. Mai 2007

Unterwegs ....

Ich habs geschafft! Bin einfach stehengeblieben - nach mehr als 3 Stunden mit dem Mountainbike - und habe mich fallen lassen, mitten in eine Wiese. Hab die Augen zugemacht, ausgelaugt wie ich war. Hab die Zeit Zeit sein lassen und mich zugedeckt mit ihr. Und die Sonne auf meiner Haut gespürt. Nicht für 5 Minuten. Nicht für 10 Minuten, sondern ohne Rahmen. Und plötzlich hab ich gespürt, dass unterwegs sein vor allem bedeutet, inne zu halten und zu verweilen. Und plötzlich wusste ich nicht mehr, was passieren muss, um weiter zu strampeln, und dann schlief ich ein und blieb wach dabei wie selten zuvor.

Ohne Rhyhtmus geht gar nichts. Und der Rhythmus kommt von innen. Ich halte an und gehe weiter und halte an. Ich breche auf und kehre heim und breche auf. Weg gehen ist anders als gehen oder auf dem Weg sein oder unterwegs sein. Es ist die Richtung, die uns terrorisiert. Gehen wie ein Flaneur, der nie weiß, für welchen Weg er sich bei der nächsten Kreuzung entscheidet. Der Flaneur geht, um sich zu verlieren.

Ein weißer Forscher in Afrika, der es eilig hatte voranzukommen, bezahlte seine Träger für eine Anzahl von Gewaltmärschen. Aber sie, fast an ihrem Ziel angekommen, stellten die Bündel ab und weigerten sich weiterzugehen. Keine noch so hohe zusätzliche Geldsumme konnte sie umstimmen. Sie erklärten, sie müssten erst warten, bis ihre Seelen sie eingeholt hätten. (aus den Traumpfaden von Bruce Chatwin)

Wie lange müssten wir wohl warten? Jahre?

Donnerstag, 17. Mai 2007

Songlines ...

Der große Martin Buber schreibt:
Die Tradition der Pyramide steht der Tradition des Lagerfeuers gegenüber.

Ich stehe auf und gehe meinen Schlafsack suchen.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Die Abstammung des Menschen ...

Lese in den Traumpfaden von Bruce Chatwin:

In seinem Buch Die Abstammung des Menschen berichtet Darwin, dass bei einigen Vögeln der Wandertrieb stärker sei als der mütterliche Instinkt. Eine Mutter lässt eher ihre Jungen im Nest zurück, als dass sie ihre Verabredung für die lange Reise nach Süden verpasst.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Männer die Wanderer und Frauen die Hüterinnen von Heim und Herd seien. Das kann natürlich so sein. Aber Frauen sind vor allem die Hüterinnen der Kontinuität: wenn der Herd sich in Bewegung setzt, setzen auch sie sich in Bewegung.

Dienstag, 1. Mai 2007

Mein Kerker ...

Ich hatte einen Traum gestern nacht, den ich niemanden erzählen werde. Nicht hier, nicht heute, nicht morgen, nicht dort. Das ist die dunkle Seite, die nicht kommunikative. Wo Sprache nichts hilft und keine Nähe. Und auch kein Therapeut, der mich professional erschließt und mich anschließt an seine Rezepturen, der mich aufschließt, der mich beleuchtet. Da bleibe ich lieber dunkel, opak und stelle mein eigenes Licht unter den Scheffel. Mein Ich bleibt mein Kerker. Aber zumindest ein Ort, der nur mir gehört. Gegen den kommunikativen Exzess, gegen das unaufhörliche Gerede, das alle Bedeutungen mit sich reißt, setze ich mein stummes Verließ.

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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