Places

Dienstag, 19. August 2008

Wer kann Sie aufhalten?

Selbst eine heimtückische Schlechtwetterfront, die eine Nacktschneckenschwemme über der Adria auslöste, konnte den Dolomiten-Express diesmal aufhalten. Über Pala, Marmolada und Civetta nahmen sie Fahrt auf, von 0 auf 2000, bis sich die TORNANTI in ihren Köpfen drehten. Sonnten sich, wenn es rundum donnerte und liefen noch mit dem Regen um die Wette, als andere sich längst in ihre CALZONE verkrochen hatten.

polizei

Und als sie anderntags schließlich eine von den CARABINERI improvisierte Straßensperre am Valparola-Pass durchbrachen, staunten selbst die hartgesottenen Murmeltiere nicht schlecht. (Suchbild der Woche!!)

murmel

Mittwoch, 11. Juni 2008

Mikrourlaub in der Steinzeit ...

Während sich Österreichs Burgenlandauswahl gegen Kroatien bemühte, dem runden Leder die Richtung zu geben, in die die Volksseele bereits vorgeeilt war, und rundherum Gewitter sich entluden, sprangen die beiden in eine der vielen Zeitnischen, die sich in diesen Tagen zuhauf auftaten und wie für sie gemacht schienen. Unterhielten sich im Steinernen Saal, der aus Amphibolit gehauen war, mit eiszeitlichen Jägern und schwangen sich gedankenverloren auf den Südturm der Burg Hartenstein, die unter ihnen das Kremstal bewachte. Dazwischen vertiefte man sich in die Felslektüre und entdeckte Linien, die in den Achselhöhlen brannten. Spätabends zurück in Wien wurde die historische Begegnung am grünen Rasen kurzerhand weggespült durch einen massiven Wolkenbruch.

Und aus dem Geschmack des Regens schufen sie das nächste Bild.

steinerme

Der Bildlink führt übrigens zu Christian Schullers Klettertseite OVERHANG, deren Online-Videothek wärmstens zu empfehlen ist. Meine Lieblingssequenz zeigt den mit urzeitlicher Kraft gesegneten Christian himself, wie er in Jordanien Riesenschuppen aus Boudlerblöcken bricht.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Ein Stimmengewirr zu Pfingsten ...

Zu Pfingsten sind wir lufthungrig und legen uns raus auf die Hohe Wand. Machen den Dehnungstest solange, bis 3 Tage wie ein ganzer Urlaub sind. Little Italy. Little Jesolo. Rechts und links von uns werden Stahlseile durch den Fels gezogen, damit das Mammut-Getier die Katalogwerte testen kann. Im Detonation Boulevard spucken uns Leute vom Skywalk in unsere Magnesium-Beutel. Doch wir lachen nur in den böigen Wind hinein. Wenn er zu viel wird, sind nur noch die Drachen am Himmel und die Gleitschirmflieger verkriechen sich wieder in ihre Handys, woher sie gekommen sind.

Uns beeindruckt das wenig. Wir lassen uns treiben und machen auf heile Welt. Die gibt´s natürlich auch in den Städten, wie uns Nessy in Ihrem Blog beweist:

Setting:
Ein warmer Frühlingstag. Geräusche spielender Kinder. Fußbälle scheppern gegen Garagentore. Fahrräder klingeln sich durch die Straßen. Jungsstimmen unterm Küchenfenster.

[...]
KK* I: Wir fahren ihm mitm Fahrrad überm Kopp.
KK II: Bist du schwul, oder was? Dann geht der tot!
KK I: Machen wir Stunt!
KK II: Im Fernsehen ham die Stuntmen immer Knarre.
KK I: Voll krass, ey! Wo ich bei mein' Vatta war, hat er mir gezeigt. Aber is' voll billig. Is' nich' für zum Schießen, sondern nur wegen Erschrecken!
KK II: Is' doch besser, wenn nur zum Erschrecken. Die knallt schon voll rein, ey, wenn du die ein' an' Kopp hälst. [ahmt Schussgeräusche nach] Weil wenn dein Vatta ein' abknallt, dann kommt der in'n Knast.
KK I: Mein Vatta is' nich' Knast! Glaubsdu mein Vatta is' voll Loser?
KK II: Mama sagt, dein Vatta is' W/chser!
KK I: Was is' W/chser?
KK II: Is' wie Arschloch, nur mit f/cken.
[...]

Samstag, 10. November 2007

13 Lakes, 10 Skies

James Benning ist Maler. James Benning ist Filmemacher. James Benning ist immer ein staunender Zuschauer. Und der Betrachter staunt mit, wenn er in die Filme von James Benning schaut. Sie haben richtig gehört. James Bennings Filme schaut man nicht an, man schaut in sie hinein wie in ein Vexierbild - um am Ende sich selbst zu sehen, sich selbst beim Sehen zuzusehen. Das alles ist möglich, weil James Benning, wie kein anderer Filmemacher still hält und die Welt Welt sein lässt und die Zeit Zeit. Zur Zeit im Filmmuseum!

jamesbenning01Dazu Ekkehard Knörer über 10 Skies: Kürzlich gab es in Hamburg und Berlin eine große Ausstellung von Wolkenbildern in der Malerei, aber keines von ihnen reichte an die Wolkenbilder von James Benning heran. Vor unseren Augen ereignen sich dramatische Figurbildungen und ebenso dramatische Auflösung. Im vierten Himmel formt sich – für mein Auge wenigstens – eine dicke Frau wie von Botero, plötzlich schwill ihr rechtes Bein an, quillt auseinander, explodiert beinahe. Das ist der Splatter-Film, der in „Ten Skies“ steckt. Überaus dramatisch das Geschehen im sechsten Himmel. Von unten her zieht ein grauer Dunst über den von gelegentlichen weißen Wolken besiedelten blauen Himmel. Er zieht nach oben, bis fast die ganze Leinwand bedeckt ist. Bevor das aber geschieht, bevor also ein vollständiger Vorhang das Bild verdeckt, drängt von links unten wieder etwas Leichtes, Helles heran, scheint ohne Mühe den grauen Dunst auflösen zu können. Es folgt eine Schwarzblende. Stets trennen etwa zehn Sekunden lange Schwarzblenden eine Einstellung von der anderen, liegen zwischen See und See, zwischen Himmel und Himmel."

empty_quarterDa fällt mir ein Film von Raymond Depardon ein, den ich vor vielen Jahren im Wiener Stadtkino bestaunte, alleine - versteht sich: "Empty Quarter - Une femme en Afrique" - und ich erinnere mich wie damals ein Jeep durch das Kinobild fuhr. Minutenlang. Von links nach rechts. Eine Linie zog, die mich berauschte.

Allen Filmen gemeinsam:
Keine Bilder im Internet - außer diesem einen. Und dieser Umstand erinnert mich daran, dass es ein Gedächtnis gibt, das uns niemand abnehmen kann.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Keine Heimat nicht ...

heimstaette Eintönig sickert der Herbst vom Himmel und legt sich nasskalt über die Stadt. Auch über das Haus, an dem ich seit Jahren vorbeifahre. Wenn ich Glück habe und die Ampel pünktlich auf Rot springt, vorne am Gürtel, dann komme ich so zum Stehen, dass ich meine Lieblingshausbeschriftung direkt vor mir habe.

"HEIMSTÄTTE" - sagt es auf dem schmutzig grauen Fassadenvorsprung und sagt es unter Anführungszeichen. Immer wieder fasziniert betrachte ich dieses lotrecht gesetzte Wort und denke über die Setzung der Anführungszeichen nach, die grafisch so unterm Hund und erzwungen ist, dass ich ihnen unwillkürlich tiefere Bedeutung zumesse.

"HEIMSTÄTTE" - brüllt es mich an, weil ich weiß, dass es da drinnen hinter der Fassade für jeden und immer schon die letzte ist. Aufbewahrung der Lebenden. Schoten dicht und warten. Er wird uns schon holen. Wenn nicht jetzt im Herbst, wenn die Gasleitungen porös werden, dann nächstes Jahr oder das Jahr darauf.

Kohlenmonoxid - geruchlos, geschmacklos, farblos, tödlich.
Atmen Sie langsam ein und aus. Inhalation.
Assimilation: Wir verlangen sie nur von den anderen und bieten - damit es niemandem zu leicht gemacht wird - eine durchgehend assimilationsfeindliche Kultur.

Unser beständiger Beitrag: einigeln und ausgrenzen.
Wir sitzen in der Identitätsfalle.
Laut Integrationsindex von 28 Ländern in Europa an vorletzter Stelle.

Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg.

Samstag, 11. August 2007

2. Hirta Roas ...

... am 11. August 2007 im Wollager der Lodenwalke der Familie Steiner in Ramsau / Rössing. Wovon sie erzählte? Über Schafe, Kühe und ihre Gewohnheiten, über Ohrmarken und Steintauben, über Symbole und Geschichten, über die tägliche Suche nach dem Vieh und die Orientierung im Dachsteinkarst.

Bodo_Hell07_01

Mit almsommererprobten Texten und Geschichten von Peter Gruber, Bodo Hell und volkskundlichem Wissenswertem von Dr. Eva Kreissl (Kuratorin Landesmuseum
Joanneum Graz). Begleitet von TRIKLANG mit originalem Alm-/Hirten-/Volkslied, Jodler & Almschroa, instrumental & vokal interpretiert: Fritz Hieger (musikalischer Leiter Steir. Jägerchor), Lorenz Maierhofer (Komponist, Texter) und Werner Lichtenegger (Chorleiter, Sammler von alten Jodlern).

Und dann als Zugabe noch eine Neukomposition zu Ehren der Steiner Gretl, die vor der Bühne stand und in den Lodenwalkerhimmel starrte. Nur um Ende traurig zufrieden festzustellen: "Da Heli is eh do" und sich setzte.

Freitag, 3. August 2007

Arktische Anden ...

An den Schuhen noch Schneekristalle und im Herzen einen weißen Schatten verlasse ich im ersten Morgenlicht Mendoza. Unter mir schließen die Wolken sich zu einem Eismeer und taucht der Himmel die Anden in arktisches Blau. Wie mir die Wärme unter deinem Laken fehlt.

mendoza-ciao

Sonntag, 22. Juli 2007

Argentinische Aussichten ...

Nach 10 Jahren wieder in Buenos Aires, schlaflos und bloß für einen Tag. Der winterliche
Rio Plata, eingehüllt in ein graues Tuch - ohne Ufer, ohne Wiederkehr. Es ist wie die Einübung in einen anderen Maßstab: ein Meer aus Erinnerungen und kein Gegenüber. Ein Schiff, ein Fluss und der Himmel: 3 Farben grau. Das Leben fährt mir durchs Gesicht. Und ich zucke nicht. Bin offen für alles.

rioplata

Donnerstag, 24. Mai 2007

Kwakiutl 1

Beim Lesen geweint. War unterwegs in den Fjorden von Kingcome Inlet - oben, in der Queen Charlotte Passage. Wo meine Sehnsucht sich immer wieder verfängt, zurückkehrt in dieses Dorf, das damals schon ein anderes war. Und ein Mädchen, das Keetah hieß, trat auf mich zu, der auf der Lichtung stand, wo früher die Toten bestattet wurden, und sprach für sie alle zu mir: Bleib bei uns. Das ist dein Dorf, und wir sind deine Familie. Du bist der Schwimmer, der aus dem weiten Meer zu uns gekommen ist."

b58-kwakiutl_siedlung2

Halb erlebt, halb geträumt - mit einem Buch in der Hand:
Margeret Craven: Ich hörte die Eule, sie rief meinen Namen.

Dienstag, 15. Mai 2007

Na dann papst ...

Papst Benedikt bereist Brasilien und stößt mit der Aussage, die Ureinwohner hätten die Ankunft der Priester bei der spanischen Eroberung still herbeigesehnt, die gesamte lateinamerikanische Bischofskonferenz und mit ihnen 150 Millionen Christen vor den Kopf. Theologische Spitzfindigkeiten sind dort nicht angebracht. Als blanker Zyniker gebärdet sich der, der die Geschichte nicht kennen will.

Papst Ratzinger begleicht eine alte Rechnung mit den Befreiungstheologen und hinterlässt nicht zum ersten Mal verbrannte Erde. Im Vergleich zu ihm war Johannes Paul ein wirklicher Reisender, ein Nomade.

Ich stelle mir den Papst vor in seinem Gewand, in seinen Gemäuern und seinen asketischen Gelagen und halte es mit Nietzsche: das Sitzfleisch ist die Hauptsünde gegen den heiligen Geist. Solche Gedanken entspringen dem Gedärm und wären dem Gehenden fremd.

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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