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Sonntag, 5. August 2007

Das Denken kriegt man nicht geschenkt ...

Sonntags. Zurück in Wien. Alles beim Alten. Angewidert, erheitert und versöhnt stelle ich fest, dass KP Liessmann, der Philosophielehrer der Nation, nach wie vor keine neuen Gedanken fasst und nicht nur im Spectrum damit durchkommt. Dass der Hungaroring bestens zu Heinz Prüller passt, weil es praktisch kein Überholmanöver gibt, das zu ignorieren wäre. Und dass Werner Schwab, der früh Verstorbene, schon 1988 unser heimlicher Nobelpreiskanditat war, der die Jelinek besser sprach als sie sich selbst: "Die Vögel fliegen durch den Präsidenten hindurch, wie durch einen leeren atmosphärischen Sack, durch eine Halluzination. Würde man den Präsidenten schlagen können wollen, man müsste weinend in die Landschaft hineindreschen. Unfähig zu verfaulen, wächst er sich monarchischen Charakter an. Die Leben um ihn herum verdrehen sich begeistert, die Leben gehören der faulenden Kategorie an, sie atmen die Hoffnung ein, indem sie an der Unwirklichkeit des Präsidenten riechen. Der Präsident schüttelt hilflos die fleischigen Hände. Die faulenden Hände spüren keinen Druck, der Druck sind sie selber in ihrer Volksform. Der Präsident ist gerührt von der Herzlichkeit der Hände, sie gemahnen an die blutige Zirkulation seines Volkes." (ebenda)

Da finde ich zuletzt doch noch ein gutes Haar in der Liessmann´schen Einheitssuppe: "Wer immer schon überall gewesen ist, ist gerade in seiner Ubiquität beengt." Was dabei natürlich zu bedenken wäre, ist, dass nicht alles und jeder, der sich selbst widerspricht, dialektisch ist und damit gut.

Freitag, 8. Juni 2007

Die Kraft der Kräfte ...

Rainald Goetz schreibt in seinem Blog am 7.6.2007 über die Romantik und die Kraft des Denkens. Und nimmt sich darin Spiegel Kulturchef Matthias Matussek folgendermaßen zu Brust: "Er ist durch sein Videoblog auf faszinierende Art die Soap seiner selbst geworden, so was Ähnliches wie Elke Heidenreich. Die Videoblogs sind eine echte Revolution. Die Leute stellen sich in einer Direktheit und Nacktheit vor einen hin, dass man erschrickt und staunt, man befindet sich ja etwa nur 20 Zentimeter weit weg von ihnen. Dagegen war Fernsehen, die alte Nacktmaschine, ein Medium höflichster Diskretion. Das Internet hat in seiner Vertrashtheit beides radikalisiert: die Bilder und die Schrift. Die Schrift will denken, die Bilder erzwingen physische Präsenz. Wenn Matussek redet, im weit offenen Hemd, werden Worte zu Vokabeln ohne Zugriff auf die geistigen Inhalte, die sonst von ihnen bezeichnet werden, werden Argumente zum rein körperlichen Akt des Sprechens, der nur noch dazu da ist, Expressivität vorzuführen, Intensität und Plausibilität."

Von woher die Attacke geritten wird, zeigt der Video-Blog von Matussek vom 5.6. 2007. Goetz und Matussek - vereint in der pornografischen Distanzlosigkeit. Ihr seid mir beide zuwider.

Samstag, 5. Mai 2007

Pharisäer und Quotennutten ...

Wir wissen es, die ORF-Einschaltquoten sind so schlecht wie nie - und das kurz nach der ORF-Reform, die zugegebenermaßen mehr ist als dieser Schwachsinn "Mitten im Achten". Interessant der kämpferische Wrabetz-Sager im Profil dazu, dass "die österreichischen Bildungsbürger ja teilweise nur Pharisäer seien ... Sie schauen sich die Sendungen, die sie immer fordern, gar nicht an."

Das hat was, zugegeben, zumal Herr Wrabetz seine These mit für den "Bildungsbürger blamablen" Zahlen belegt: Bei den jüngsten Opernübertragungen habe der ORF einen höheren Marktanteil bei den Grundschulabsolventen als bei Akademikern gehabt und den Film LOST IN TRANSLATION hätten nur 140.000 Zuschauer gesehen.

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Moment Mal. LOST IN TRANSLATION - dieser wunderbare Film von Sofia Copola aus dem Jahr 2004 - brachte es nur auf 139.999 weitere Zuseher? Das weckt sogar Thomas Chorherr auf, der seinen Beitrag im Presse-Spectrum so beginnt: "Am Anfang ein Geständnis. Ich habe den Film gesehen und ihn, pardon, langweilig gefunden, bin darüber sogar zeitweilig eingeschlafen. Ich habe also dem Bildungsbürgertum einen überaus schlechten Dienst erwiesen. Denn - ein weiteres Geständnis: Ich halte mich für einen Bildungsbürger. Und ein Drittes: Ich bin stolz darauf."

Da frage ich mich: Haben Sie, Herr Chorherr, auch nur ein einziges Mal in das Gesicht des Bill Murray geblickt und sich darin verloren? Diese Einfachheit und diesen Rhythmus gespürt, der diesen Film bewegt? Diesen Kuss am Ende, der so verloren ist? Oder die Szene am Fenster, wo eine Kamera die tieftraurige Charlotte umkreist und hinausblickt auf Tokio, verbittert, weil sie nicht helfen kann?

Sie haben es nicht. Sie sind eingeschlafen. Das kann passieren. Nur der richtige Bildungsbürger, wie Sie einer sind, ist sogar stolz darauf, dass er einschläft, ist stolz auf alles, was er nicht sieht und nicht versteht. Weil es das Außerhalb seines Bildungskanons per definitionem nicht gibt, nicht geben kann. Stattdessen wird er nicht müde, seine Platitüden über Borgeouis und Citoyen, über Bildung und Ausbildung und über die Wichtigkeit von Latein und Griechisch ganz ohne Erkenntnisinteresse zu wiederholen und in bester Zen-Buddhistischer Tradition gründlich wiederzukauen. Ändern wird sich nichts, außer dass Ihnen hoffentlich bald alle Zähne ausfallen.

Schlafen Sie ruhig weiter und decken Sie sich gut zu mit ihren ganzen Ehren- und Verdienstkreuzen, die sie auf ihrer Homepage ja feinsäuberlich aufgelistet haben und sicherlich jeden Tag abstauben. Herr Chorherr, sie haben dem Bildungsbürgertum einen ausgezeichneten Dienst erwiesen, sie haben es "zur Kenntlichkeit entstellt".

Auszeichnungen:
Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, erster Klasse
Großes Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich
Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien
Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich
Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Komturkreuz des päpstlichen Gregoriusordens
Berufstitel Professor seit 1992

Freitag, 4. Mai 2007

Bleistift und Revolver ...

Gestern ein wunderbares Interview mit Peter Handke in OE1 gehört. Und heute in 3SAT die Aufführung des Thalia Theaters der Ulrike Maria Stuart von Elfriede Jelinek gesehen. Und so spanne ich den Rahmen zwischen Jelinek und Handke, aber auch zwischen Meinhof und Grillparzer, wenn man so will. Grillparzer verfolgte die Revolution von 1848 vom Fenster der Bibliothek aus, interessiert und durchaus mitfühlend, beteiligt - das lesen wir in seinen Tagebüchern. Aber auf die Straße - auf die Straße wäre er nie gegangen. Weil auf der Straße man sich nur verlieren kann und schuldig wird, ja schuldig werden muss, weil das Gesetz der Straße keine Zwischentöne kennt.

Das weiß auch Handke, der Eremit, spätestens seit seinem Engagement für Slobodan Milosevic und die von der westlichen Presse als seelenlos gebrandmarkten Dörfern Serbiens, die allseits umzingelt, im Elendstrichter von Europa vegetieren müssen, beschützt und bewacht von jenen Staaten, den westeuropäischen, die ihnen mit Bombengewalt den eigenen Staat Jugoslawien geraubt, geraubschatzt haben? (aus dem OE1-Gespräch)

Vorsicht da erhebt einer die Stimme gegen den europäischen Meinungskonsens, der die All-Gegenwart des Kapitals kaschiert in einem unerbittlichen Wertekanon gegen das Außen, wo immer es anklopft. Und schon springe ich zurück zur Ulrike Maria Stuart, dem Königinnendrama von Elfriede Jelinek und zitiere - schon wieder unerlaubt - die Nachgeborenen, die wir alle sind:

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"Ach, wie gerne hätten wir die repressiven ideologischen Apparate selber noch erlebt, doch diese Offensivposition gabs nur für dich, wir hatten nicht die Wahl. Sonst hätten für die Illegalität wir uns ja auch entscheiden können. Hättest du gewußt, daß dreißig Jahre später Illegalität ganz ausgestorben wäre, wenn sich überhaupt noch einer dran erinnert, daß es sie gegeben hat, dann wär sie in jedem Falle nur fürs Kapital erlaubt, das offshore tummelt sich an wunderbaren Stränden, wo die Sonne niemals untergeht, nicht doch für dessen Gegner, die auf ewig, ohne je befreites Gebiet erreicht zu haben, heimatlos geworden sind, wer weiß, wie du dich in diesem Fall entschieden hättest. Vielleicht wären offshore alle wir gegangen wie das Geld in seinem schönen Urwald, wo von Baum zu Baum sichs schwingt, von keinem Raubtier je erwischt, weils selbst das allerschnellste Tier ist, von keinem andern je erreicht, und sich vermehrt sogar im Dreck, den all die Armen machen und den unsre Leute höchstens atmen, weil nichts Besseres sie damit anzufangen wissen, denn zähmen läßt sichs nicht, das Tier.

Was ich sagen will? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht will ich nur zwei Dinge nebeneinander halten und sie aufeinander wirken lassen - das Zentrum der Meinungs- und Kulturmache und das, was offshore an Bedeutungen gehandelt wird. Eine Art Gegenüberstellung, bei der das Licht des einen, den Schatten des anderen erzeugt und umgekehrt. Weiß nur, dass einer, der so schreibt wie Handke, nicht so ganz irren kann. Dass einer ein guter Mensch sein muss, der die Welt so buchstabieren kann. Und wenn ein Grübler wie er, der dem Schönen auf der Spur ist und seiner Wahrhaftigkeit, ganz aus dem Häuschen ist, wenn er vom Unrecht an Serbien spricht, dann sind wir nicht mehr beim Begräbnis von Milosevic, sondern wieder mitten im Stück über die RAF ... und vom Nutzen des Staates, den er uns gegenüber als Gerechtigkeit verkauft - hier darf geschossen werden ... und danach? gehen wir shoppen, was immer auch passiert ... Humanismus, ich glaub ich muss gleich kotzen.

Ein pikantes Detail am Rande: Handkes Parteinahme für Serbien hat ihm wahrscheinlich den Nobelpreis gekostet. Die schönste Replik zu diesem spiegelgleichen Skandal kam letztes Jahr von Botho Strauss in der FAZ: Aber das allgemein Richtige, ein Gezücht unserer konsensitiv geschlossenen Öffentlichkeit, ist dennoch ein am Boden schleifendes träges Ungetüm, wie sehr es sich auch selbst gefallen mag. Einige andere aber müssen in der Höhe sich härter ausbilden und werden selbst aus einer Verrannt- oder Verstiegenheit heraus mehr Gutes unter die Menschen bringen als je tausend Richtige zusammen.

Samstag, 21. April 2007

Werbung ist keine Kunst ...

Kundenbindung meint immer auch, dass man den Kunden ruhig zu stellen hat – mit seinen Vorurteilen und seinem Geschmack, über den niemand streiten will. Die Eingriffe gehen tief und da kann es nicht sein, dass jemand ununterbrochen wackelt. Wir sind nahe und doch nicht nahe. Vertrauen ist wichtig und das Wissen, wie die Kompetenzen verteilt sind. Unterm Designerskalpell machen wir nicht auf Basisdemokratie. Und trotzdem: Die geniale Idee ist kein Tafelbild. Sie sucht den Weg zum Kunden, vor dem sie bestehen muss. Obwohl das Endprodukt nur so gut sein kann, wie der Kunde es zulässt, darf dieser nicht Ausrede sein für ein schlechtes Produkt. Wir lassen uns auf unsere Kunden ein, solange jemand die Fesseln prüft. Das muss auch der Kunde einsehen, langfristig versteht sich, wenn er sich binden will.

Sie wollen ein Beispiel, wie dieser Dialog mit dem Kunden und den Kunden der Kunden vorbildlich passieren kann? Dann werfen Sie einen Blick nach Mannheim! Dort haben Ogilvy & Mather Kunst gemacht und konnten damit regional die Mitgliederzahl von Amnesty International im Jahr 2006 verdoppeln.

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Samstag, 22. Oktober 2005

Gestern abend ...

... bei uns im Weinkeller. Viel degustiert und gelacht und über das Schreiben geredet - den eigenen Anspruch und den Anspruch der anderen. Und den Müll, der tagein, tagaus produziert wird und die Bedeutungen mit sich reißt.

21102005

Und dann schreibt Ulrich Greiner heute über Adalbert Stifter die folgenden Sätze: "Ich will Sie nicht zu Stifter überreden - er ist und bleibt ein spröder Autor -, sondern nur darauf hinweisen, dass es auch die Aufgabe der Schriftsteller ist, Expeditionen an die Ränder der üblichen Kommunikation zu unternehmen. Sie wecken damit unser Verständnis für die Sprache, die wir pausenlos benutzen und vernutzen. Der Vorgang bringt es mit sich, dass manche dieser Texte uns fremdartig erscheinen, gar unverständlich, jedenfalls nicht "gut geschrieben". Gut schreiben aber kann inzwischen jeder halbwegs Gebildete, und wenn er es nicht kann, so mag er ein Schreibseminar besuchen. Große Literatur aber ist etwas anderes."

An anderer Stelle, in einem anderen Text, Peter Handke über denselben, präzise wie meistens: "Jedem Jahr- und Jahreszeitenprosaschreiber sollten die verschiedenen Phasen der Stifterschen Erzählungen als eine Art Zeitschiene dienen, vor allem, in der Regel, die Übergänge von der dritten zur vierten, letzten Bearbeitung - wie noch die kleinsten Spuren von Satzautomatik und Bildrhetorik da gestutzt und gelichtet werden zu Dingfestigkeit und Bildtreue, ein bisschen wie bei einem so behutsamen wie entschiedenen, an die Wurzel gehenden Baumschnitt."

Donnerstag, 22. September 2005

Johann Skocek meets Toni Fritsch ...

Nicht nur in Büchern finden sich mitunter schöne Metaphern, auch in Zeitungen wie dem Falter kann man sie finden, wenn Johann Skocek, ein begnadeter Sportjournalist über Toni Fitsch, den begnadeten Free-Kicker schreibt.

Nachdem Toni Fitsch in einem Lokal in Houston ein Black-Angus-Steak bestellt und dem ungläubigen Kellner zu verstehen gibt, während er ihm die zwei Ringe an seiner Hand entgegenhält, dass der Chef schon wissen werde, was zu machen sei, wächst "25 Sekunden später ein Riese mit einem Schnauzer, den sie in Europa nicht in ein Gesicht, sondern in eine Autowaschanlage einbauen würden, auf den Tisch zu wie eine Schlechtwetterfront am Tauernpass." Nun gut, die Zugabe ist vielleicht etwas holprig aber der Schnauzer in der Waschanlage ist ein Genuss.

Wie die Geschichte weitergeht? Er, der Riese, (Ex-Linebacker der Cowboys Andy Whites)macht erst Stopp, als er in Toni Fritschs Armen liegt. "Toni, mein Gott, wieso hast du nicht angerufen?" Wer Toni Fitsch kennengelernt hat, kann sich vorstellen, dass solche Anekdoten sich die Hand geben.

Toni Fritsch ruft nirgends mehr an. Er, der Wembley Toni (20. Oktober 1965: Österreich besiegt England mit 3:2 und Toni Fritsch schießt 2 Tore) ist tot. (1945-2005)

Dienstag, 9. August 2005

Lob der Frauen über 50 ...

Andy Rooney, Journalist des Fernsehmagazins 60 Minutes schreibt:

"Je älter ich werde, umso mehr schätze ich Frauen über 50. Hier ein paar Gründe, weshalb das so ist. Eine Frau über 50 wird nicht neben dir im Bett liegen und fragen: Was denkst du? Es ist ihr egal, was du über sie denkst. Wenn eine Frau über 50 nicht Fußball gucken will, sitzt sie nicht da und quengelt herum. Sie macht das, was sie machen will. Und das ist gewöhnlich interessanter. Eine Frau über 50 kennt sich selbst gut genug, um sich sicher zu sein, wer sie ist, was sie ist, was sie will und von wem. Nur wenige Frauen über 50 werden auch nur andeutungsweise wissen wollen, was du von ihnen hältst oder von dem, was sie tun oder lassen.

Frauen über 50 haben Würde. Sie fangen nur selten in der Oper oder in einem teuren Restaurant lautstarken Streit an. Selbstverständlich werden sie nicht zögern, dich zu erschießen, wenn sie glauben, dass sie damit durchkommen. Ältere Frauen gehen freiwillig mit Lob um, auch wenn es oft nicht verdient ist. Sie wissen, wie es ist, wenn man nicht geschätzt wird. Eine Frau über 50 hat genug Selbstvertrauen, dich ihren Freundinnen vorzustellen. Eine jüngere Frau mit einem Mann wird oft sogar ihre besten Freundinnen ignorieren, weil sie dem Kerl bei anderen Frauen nicht traut. Frauen über 50 ist es völlig egal, ob du auf ihre Freundinnen scharf bist, weil sie wissen, dass ihre Freundinnen sie nicht betrügen. Frauen kriegen den sechsten Sinn, wenn sie älter werden. Eine Frau über 50 musst du nie deine Sünden beichten. Sie kennt sie bereits. Eine Frau über 50 sieht gut aus wenn sie einen grellroten Lippenstift trägt. Für jüngere Frauen und Drag Queens gilt das nicht. Wenn du mal ein oder zwei Falten beiseite lässt, ist eine Frau über 50 weit sexyer als ihre jüngeren Entsprechungen. Ältere Frauen sind aufrichtig und ehrlich. Sie sagen es dir sofort, wenn du ein Arsch bist oder dich wie einer aufführst! Du musst dich nie fragen, was sie von dir hält.

Ja wir preisen Frauen über 50 aus vielerlei Gründen. Unglücklicherweise beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Für jede hinreißende, kluge, gut frisierte, heiße Frau über 50 gibt es ein glatzköpfiges, dickbäuchiges Relikt in gelben Hosen, das sich wegen einer 18-jährigen Bedienung zum Narren macht. Meine Damen, ich entschuldige mich dafür.

Für alle Männer, die immer den Spruch draufhaben Warum soll ich eine ganze Kuh kaufen, wenn ich die Milch umsonst haben kann?, kommt hier eine neue Version: Heutzutage sind 80% aller Frauen gegen die Ehe. Warum? Weil Frauen erkannt haben, dass es sich nicht lohnt, ein ganzes Schwein zu kaufen, nur um eine kleine Wurst zu bekommen."

Aus dem Magazin DIE GAZETTE, Nummer 6/2005

Sonntag, 7. August 2005

Am Anfang war kein Wort ...

peter lau schreibt im brandeins 05/2005 zum Tod des Kapitalismus: Mit Worten habe ich es nicht so. Also im Verbund gern, wenn sie schön zusammengesetzt sind. Aber einzelne Begriffe, hingehustet wie von aufgeregten Asthmatikern? Die nichts außer sich selbst bezeichnen? Und natürlich die Aufregung des Hustenden? Ohne mich. Der amerikanische Schriftsteller William S. Burroughs behauptete vor einigen Jahrzehnten, Sprache sei ein Virus, und ich glaube, die Krankheit hat uns alle erfasst. Genau wie Marken Produkte ersetzt haben, sodass wir heute statt Sachen übergeschnappte Bedeutungs-Cluster kaufen, entziehen Worte den Dingen ihre Kraft und setzen sich an ihre Stelle, sodass wir über sie reden, statt zu ändern, was sie einst bezeichneten. Wie ein Virus saugt das Gerede unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit auf, wie ein Virus breitet sich Thema auf Thema aus, bis alle sich angesteckt haben. Und dabei halten wir die Krankheit für einen unverzichtbaren Teil unseres Lebens, denn bekanntlich heißt es: Am Anfang war das Wort. Aber das stimmt nicht.

An anderer Stelle gibt derselbe noch einen "Kurzen Überblick über alles" frei nach dem Motto "Leben heißt lernen".

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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