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Politics

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Was man in Deutschland sagen darf und in Österreich nicht einmal zu denken wagt

"Was man in Deutschland alles sagen darf" - wichtiger Beitrag von Jörg Lau über Hintergründe und Auswirkungen der #Sarrazin Debatte, die unser Nachbarland zur Zeit bewegt.

Und was sollte uns bewegen? Dass Vizekanzler Pröll in seiner "Redeübung für das Projekt Österreich" vollkommen darauf vergisst, die Themen Pensionssicherung und Migrationspolitik zusammen zu denken. Weil er Angst hat und keinen Weitblick. Wie viele in diesem Land.

Ein Leserbrief von Béatrice Achaleke und Simon Inou im aktuellen #Falter ist die Pflichtlektüre dazu! Ein Auszug daraus folg, sobald ich den Falter, den derzeit mein Schatz U-Bahn fahrend durch Wien als Schild gegen den Gratis-Österreich und -Heute-Müll mit sich führt, wieder in Händen halte.

Dienstag, 11. August 2009

Ein Streeru Witz

Marlene Streeruwitz bezeichnet im Deutschlandradio Kultur die Salzburger Festspiele als "faschistoid", gebraucht also exakt jenes Argument, das wir mit 17 als Totschlaghammer gegen alles und jeden in der Hand führten. Aber heute? Kriecht niemand mehr hinter dem Ofen hervor. Höchstens die "Wiener Zeitung", aber die auch mehr, um zu zeigen, dass hinter dem Ofen noch jemand ist.

Die Dankesrede der Streeruwitz bei der Verleihung des Peter-Rosegger-Preises spricht Bände. Darin wird deutlich, worüber sich Streeruwitz eigentlich beschwert: "dass die Kunstschaffenden selber zu Selbstfürsorge und Selbstvorsorge gezwungen, ihre Arbeitsweise verändern mußten. Das bedeutet, daß die Personen selber verändert wurden. Das wiederum wird bedeuten, daß die Kunst verändert werden wird. Nun muß die Kunst, sonst wäre sie es nicht, auf die allgemeinen Veränderungen reagieren. Dadurch, daß die reagieren Sollenden selbst sich an die Verhältnisse anpassen müssen, um überhaupt überleben zu können, entsteht eine Überlagerung der Ansprüche, die zu einer Verminderung führen muß. Das aber wiederum bedeutet, daß die Gesellschaft nicht mehr erfahren kann, was ihr Jetzt bestimmt. Die Wahrheit der Gegenwart bleibt ungehoben."

Kann man Selbstfürsorge und Selbstvorsorge wirklich nicht jedem zumuten - aber Kultur schon?

Donnerstag, 16. April 2009

Das Offensichtliche ist skandalös ...

Ökonom und Nobelpreisträger Krugman spricht aus, was alle wissen, und wird dafür vom offziellen Österreich in seiner Vize-Verharmlosung (die OeVP, die seit kurzem Kommunikation richtig buchstabiert, hat jetzt auch gleich ein Web 2.0!) gescholten bzw. zuunrechtgewiesen. Ich denke, wir sind nicht nur bankrottgefährdet, "wir" (bzw. die uns vertreten in der Welt) sind zum Schämen. Wann immer sie können bzw. ein Mikro in Reichweite ist.
Ich erinnere an unseren neuen Kasperl-Außenminister, diesen Spindelegger oder wie er heißt (merken sollte man sich wichtige Sachen), der sich bei mir mit der vertrottelten Meldung einführte, dass "wir" Österreicher aus vorschneller Systemverletzungssorge keinem der Guantanamo-Häftlinge Asyl gewähren werden (und überhaupt: wo kämen wir da hin?) und damals auch gleich wieder gelöscht wurde von meiner Kulturfestplatte.

ostbeteiligung

So weit geht die Obamafizierung hierzulande doch nicht. Die endet, wie die OeVP-Vorzugsschüler bewiesen, bei Web 2.0 - aus Angst vor einer besseren Welt oder einfach aus Mangel an Perspektive. Wenn Obama ein Don Quijote bleibt, dann stellten "wir" die Windmühlen. In bin nicht stolz auf dieses Bild - "Land der Hacker, Land der Gnome." Ich bin kein Teil von diesem "Wir". Definitiv nicht! Meine Blase ist echt!

Montag, 30. März 2009

Umverteilung, die Erste ...

Robert Misik war am Freitag in Hochform und fertigte neben diesem ein paar weitere denkwürdige Sätze: "Der Kapitalismus ist nicht gescheitert. Und Notverstaatlichungen führen keinen Sozialismus ein. Gescheitert ist zunächst einmal eine Ideologie und ein auf dieser beruhendes institutionelles - oder besser: antiinstitutionelles - Arrangement. Die basale Idee lautete: Wenn auf möglichst unregulierten Märkten so viele Menschen wie möglich ihrem Eigennutz folgen, schlägt das in einer mirakulösen Operation zum Nutzen aller um. Dies war eine ökonomische Doktrin, aber auch eine moralische Erzählung, die natürlich eine hohe Anziehungskraft auf Egoisten aller Art hatte, erklärte sie ja, dass eine Untugend - die Eigennützigkeit - tugendhafte Resultate zeitigt."

Montag, 26. Januar 2009

Peter weibelt ...

Zur Zensur.
"Es gibt zwei Arten davon: Die politische Zensur, die ist sichtbar, und die unsichtbare Zensur durch Unterhaltung, die Zensur per Quote. In deren Namen wird alles andere marginalisiert oder unterdrückt. Wir leben in einer Hegemonie der Quote, das heißt der unsichtbaren weibelHerrschaft der Dumpfbacken. Gegen politische Zensur kann man protestieren. Wer protestiert gegen die mindestens so repressive Zensur durch Unterhaltung, die alles Wissenswerte verdrängt? Der Celebritykult (die brillante Vertiefung dazu gibts hier!) überformt die ganze Gesellschaft. Schauspieler werden zu Politikern, Politiker heiraten Modelle – sie alle verbindet ihre Popularität in den Massenmedien. "

Zur Bankenkrise
"Die sogenannte Bankenkrise ist Symptom für eine globale Kompetenzkrise. Wenn das Finanzkapital und seine Institutionen Milliarden in den Sand setzen, ist es kriminell zu fordern, die Kunden sollten wieder Vertrauen gewinnen. Die Milliardenverluste der Konzerne und Großindustrie, der Spekulanten und Fonds sind nicht Ausdruck einer Vertrauenskrise, sondern schlichtweg Ausdruck dessen, dass die handelnden Personen nichts von ihrem Job verstehen. Wenn jemand in der Schule eine Rechenaufgabe nicht zustande bringt, kann er auch nicht zum Lehrer sagen, es handle sich um eine Vertrauenskrise, sondern der Lehrer wird ihm einen Fünfer geben, weil er falsch gerechnet hat."

Peter Weibel, am Wochenende in der Presse.

Danke. Sehr gut. Setzen.

Dienstag, 20. Januar 2009

BUSH geht, OBAMA kommt ...

BUSH geht und weil er nichts Neues zu sagen hat als sein mittelalterliches Lamento über Gut und Böse in der Welt, reicht ein Bildchen von seinem Abgang.

bush

Und OBAMA kommt und spricht - so mitreißend, eloquent und persönlich, dass es nicht wundert, wenn wir ihm unsere Träume anvertrauen. Hier auf Einladung von Google über die Rolle von Informationstechnologie und dann im Interview mit Google CEO Eric Schmidt (ca. ab min. 15) über ziemlich alles, was zählt.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Vom Schenken, Kaufen und Sparen

Begonnen hat alles ganz normal. Mit einem Gedicht. Und dem Gedanken an eine bessere Welt. Dann klopfte die Welt an der Tür und verdarb - wie fast immer - alles!

deutsche-bank Im Album Nr. 49 von GEA findet er dieses Gedicht von Joachim Ringelnatz. Zeitlos. Passend.
Als zusätzliche Lektüre empfohlen - das GEA-Kundenmagazin BRENNSTOFF mit einem schönen Beitrag zum Film von Erwin Wagenhofer: "Let's make money" Was das alles miteinander zu tun hat?
Nun gut. Wer schenkt, kauft. Und wer kauft, nimmt sein Geld von der Bank. Und das ist besser als gar nichts.

SCHENKEN
Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die bedachten die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich
und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack
und Humor,
so dass die eigene
Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist
ohne List.
Sei eingedenk,
dass Dein Geschenk
Du selber bist.

Dienstag, 18. November 2008

Bankendämmerung ...

Hier noch ein Nachtrag zu meiner rethorischen Frage, "warum plötzlich alles so politisch ist?". Denn Sie und ich wissen, dass immer alles politisch war. Auch wenn Politik plötzlich nicht mehr hype ist, werden wir von ihr jeden Tag rechts und links überholt und bestimmt.

Und das Private? Solange wir privat sind, sind wir nicht. Wir publizieren uns selbst jeden Tag, in Facebook und Twitter und Blogs. Denn erst öffentlich kann man als Privater richtig gut leben.

Das wissen auch die Banken - aber sie sagen es nicht!
Und die Postämter? Die reden viel und wissen wie immer nichts.
Vielleicht sollten wir einmal darüber reden, was von öffentlichem Interesse ist bzw. was das ist: öffentliches Interesse. Robert Misik tut es - hier!

Dienstag, 11. November 2008

20 Jahre Haft für burmesischen Blogger

Im September 2007 gab es an dieser Stelle einen Blogeintrag über "BURMA - LIVING HELL". Wissen Sie, wie es den Mönchen in Burma heute geht? Oder wo Rangoon liegt? Ebendort wurde laut jotman.com letzten Dienstag der Blogger Nay Phone Latt (Bild links) in einem Internet-Cafe nay_myo_latt
aufgegriffen, in das laut Futurezone berüchtigte Insein-Gefängnis gesperrt und mittlerweile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Damals vor einem Jahr hoffte man, dass die internationale Empörung etwas bewirken könne. Aber es ist wie überall - in China, in Burma oder anderswo: Das Grausame ist nicht der Straßenkampf, das Grausame ist der Alltag, nachdem sich der Blick der Welt wieder abgewandt hat - auf der Suche nach einem neuen Reiz.

burma-living-hell Hier noch der Aufruf der Reporter ohne Grenzen: "There is an urgent need now for bloggers all over the world to demonstrate their solidarity with Nay Phone Latt by posing his photo on their blogs and by writing to Burmese embassies worldwide to request his release. Similarly, we call on poets to defend their fellow-poet, Saw Wai, who has been jailed just because of one poem."

Besuchen Sie auch die Seite der Burma Campaign. Dort können Sie auch Ihre Stimme erheben und eine
Petition für die Freilassung der politischen Häftlinge in Burma unterzeichnen: "There are over 2,100 political prisoners in Burma. They have been imprisoned just for peacefully calling for democracy and freedom in Burma. Once in prison, democracy activists face horrific torture, including electric shocks, rape, iron rods rubbed on their shins until the flesh rubs off, severe beatings and solitary confinement. Many prisoners are kept in their cells 24 hours a day, given inadequate food and are in poor health. However, the regime appears to be systematically denying medical treatment to political prisoners."

Damals vor einem Jahr kam die Musik zum Burma-Beitrag von einem der großen Traurigen, der 1948 in Rangoon geboren wurde: Nick Drake. Und weil der Song von damals auf Youtube nicht mehr verfügbar ist, spielen wir heute "Place to be". Und er steht noch immer vor der gleichen Ziegelwand.



When I was young, younger than before
I never saw the truth hanging from the door
And now I'm older see it face to face
And now I'm older gotta get up clean the place.

And I was green, greener than a hill
Where flowers grew and the sun shone still
Now I'm darker than the deepest sea
Just hand me down, give me a place to be.

And I was strong, strong in the sun
I thought I'd see when day is done
Now I'm weaker than the palest blue
Oh, so weak in this need for you.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Warum so politisch plötzlich?

Fragen Sie mich. Und ich sage Ihnen eines: ich war und bin es immer. Im Innern brodelt es stets, weil (fast) alles von gesellschaftlicher Relevanz ist. Man muss nur den Deckel heben. Provozieren Sie mich nicht!

Klaus Stimeder schreibt im Datum einen schönen Nachsatz auf Haider: "In der Art, in der er das politische Geschäft betrieb, fanden sich viele Österreicher wieder: Jederzeit bereit, seine Prinzipien aufzugeben, wenn er sich davon einen persönlichen Vorteil versprach; opportunistisch im Auftreten nach außen, reaktionär im Kern; stets bereit, auch die niedersten Instinkte anzusprechen, wenn sich dadurch die Zustimmung mehren ließ; und das alles angetrieben von einem auf mangelnder Selbstsicherheit beruhenden gerüttelt Maß an Egozentrik, die er wie kein anderer heimischer Politiker durch ein Übermaß an Leutseligkeit und teils grenzwertigem Populismus zu kompensieren wusste."

Selbst wo Kultur drauf steht, ist Politik drin: Alter Ego Almblitz berichtet, dass die dt. Nationalbibliothek von nun an das ganze Internet - das verrottete - kopiert haben will. Von wem? Von den Content-Betreibern selbst? Sind die denn vollkommen durchgeknallt? Mitnichten. Sie spiegeln das komatöse gesellschaftliche Bewusstsein wider. Das sind wir! Wir leben in einer Zeit, in der so ein Gesetzesvorschlag durchgeht und in Kraft tritt - ohne Widerstand.

Und die Banken? Die nehmen seit heute Staatsgelder in Anspruch und "verabschieden sich damit endgültig vom Verantwortungsprinzip", wie Nikolaus Kimla in seinem Newsletter zurecht schreibt. Während ihre Hedge-Fond-Manager an den zuvor künstlich in die Höhe getriebenen Getreidpreisen plötzlich das Interesse verlieren (sie sacken um mehr als 50% nach unten) und damit ein paar Hundertausend Menschen (oder sind es Millionen) in den Dritte-Welt-Ländern am Leben lassen? Schöne Geste, nicht? Sie fragen, warum ich politisch bin?

Und die Medien? Obama steht kurz vor dem Wahlsieg und die kolportierten Attentatsversuche häufen sich. Wir kennen die Art, ein solches herbeizureden.

Und die Börse? Die wird von der ATAC gestürmt und alle Händler klatschen.



Sie fragen immer noch?

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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