Hier noch ein Nachtrag zu meiner rethorischen Frage, "warum plötzlich alles so politisch ist?". Denn Sie und ich wissen, dass immer alles politisch war. Auch wenn Politik plötzlich nicht mehr hype ist, werden wir von ihr jeden Tag rechts und links überholt und bestimmt.
Und das Private? Solange wir privat sind, sind wir nicht. Wir publizieren uns selbst jeden Tag, in Facebook und Twitter und Blogs. Denn erst öffentlich kann man als Privater richtig gut leben.
Das wissen auch die Banken - aber sie sagen es nicht!
Und die Postämter? Die reden viel und wissen wie immer nichts.
Vielleicht sollten wir einmal darüber reden, was von öffentlichem Interesse ist bzw. was das ist: öffentliches Interesse.
Im September 2007 gab es an dieser Stelle einen Blogeintrag über "BURMA - LIVING HELL". Wissen Sie, wie es den Mönchen in Burma heute geht? Oder wo Rangoon liegt? Ebendort wurde laut jotman.com letzten Dienstag der Blogger Nay Phone Latt (Bild links) in einem Internet-Cafe
aufgegriffen, in das laut Futurezone berüchtigte Insein-Gefängnis gesperrt und mittlerweile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.
Damals vor einem Jahr hoffte man, dass die internationale Empörung etwas bewirken könne. Aber es ist wie überall - in China, in Burma oder anderswo: Das Grausame ist nicht der Straßenkampf, das Grausame ist der Alltag, nachdem sich der Blick der Welt wieder abgewandt hat - auf der Suche nach einem neuen Reiz.
Hier noch der Aufruf der Reporter ohne Grenzen: "There is an urgent need now for bloggers all over the world to demonstrate their solidarity with Nay Phone Latt by posing his photo on their blogs and by writing to Burmese embassies worldwide to request his release. Similarly, we call on poets to defend their fellow-poet, Saw Wai, who has been jailed just because of one poem."
Besuchen Sie auch die Seite der Burma Campaign. Dort können Sie auch Ihre Stimme erheben und eine Petition für die Freilassung der politischen Häftlinge in Burma unterzeichnen: "There are over 2,100 political prisoners in Burma. They have been imprisoned just for peacefully calling for democracy and freedom in Burma. Once in prison, democracy activists face horrific torture, including electric shocks, rape, iron rods rubbed on their shins until the flesh rubs off, severe beatings and solitary confinement. Many prisoners are kept in their cells 24 hours a day, given inadequate food and are in poor health. However, the regime appears to be systematically denying medical treatment to political prisoners."
Damals vor einem Jahr kam die Musik zum Burma-Beitrag von einem der großen Traurigen, der 1948 in Rangoon geboren wurde: Nick Drake. Und weil der Song von damals auf Youtube nicht mehr verfügbar ist, spielen wir heute "Place to be". Und er steht noch immer vor der gleichen Ziegelwand.
When I was young, younger than before
I never saw the truth hanging from the door
And now I'm older see it face to face
And now I'm older gotta get up clean the place.
And I was green, greener than a hill
Where flowers grew and the sun shone still
Now I'm darker than the deepest sea
Just hand me down, give me a place to be.
And I was strong, strong in the sun
I thought I'd see when day is done
Now I'm weaker than the palest blue
Oh, so weak in this need for you.
Fragen Sie mich. Und ich sage Ihnen eines: ich war und bin es immer. Im Innern brodelt es stets, weil (fast) alles von gesellschaftlicher Relevanz ist. Man muss nur den Deckel heben. Provozieren Sie mich nicht!
Klaus Stimeder schreibt im Datum einen schönen Nachsatz auf Haider: "In der Art, in der er das politische Geschäft betrieb, fanden sich viele Österreicher wieder: Jederzeit bereit, seine Prinzipien aufzugeben, wenn er sich davon einen persönlichen Vorteil versprach; opportunistisch im Auftreten nach außen, reaktionär im Kern; stets bereit, auch die niedersten Instinkte anzusprechen, wenn sich dadurch die Zustimmung mehren ließ; und das alles angetrieben von einem auf mangelnder Selbstsicherheit beruhenden gerüttelt Maß an Egozentrik, die er wie kein anderer heimischer Politiker durch ein Übermaß an Leutseligkeit und teils grenzwertigem Populismus zu kompensieren wusste."
Selbst wo Kultur drauf steht, ist Politik drin: Alter Ego Almblitz berichtet, dass die dt. Nationalbibliothek von nun an das ganze Internet - das verrottete - kopiert haben will. Von wem? Von den Content-Betreibern selbst? Sind die denn vollkommen durchgeknallt? Mitnichten. Sie spiegeln das komatöse gesellschaftliche Bewusstsein wider. Das sind wir! Wir leben in einer Zeit, in der so ein Gesetzesvorschlag durchgeht und in Kraft tritt - ohne Widerstand.
Und die Banken? Die nehmen seit heute Staatsgelder in Anspruch und "verabschieden sich damit endgültig vom Verantwortungsprinzip", wie Nikolaus Kimla in seinem Newsletter zurecht schreibt. Während ihre Hedge-Fond-Manager an den zuvor künstlich in die Höhe getriebenen Getreidpreisen plötzlich das Interesse verlieren (sie sacken um mehr als 50% nach unten) und damit ein paar Hundertausend Menschen (oder sind es Millionen) in den Dritte-Welt-Ländern am Leben lassen? Schöne Geste, nicht? Sie fragen, warum ich politisch bin?
Und die Medien? Obama steht kurz vor dem Wahlsieg und die kolportierten Attentatsversuche häufen sich. Wir kennen die Art, ein solches herbeizureden.
Und die Börse? Die wird von der ATAC gestürmt und alle Händler klatschen.
"Wer sagt eigentlich, dass Schreiben ungefährlich ist?" fragt Möchtegern-Polarisierer Michael Fleischhacker in der unsäglichen Ego-Testimonial-Kampagne der Presse. Die einzig richtige Replik findet der Altmeister des kritischen Journalismus Armin Thurnher dazu im Falter: "Wer sagt eigentlich, dass letzte Sätze nicht zurückschlagen können?"
Man beachte: Links die putzige und wenig glaubhafte Presse-Originalversion im H&M-Stil, die eigentlich nur um das Ego des selbstverliebten Chefredakteurs kreist, und rechts das auf den Punkt gebrachte Plagiat mit Haut und Haaren und Scharfsinn und ohne Pardon!
Mein Bild des Tages: Der rostige Frachter "An Yue Jiang" mit für Präsident Mugaba bestimmten Waffen an Bord irrt vor den Küsten des südlichen Afrika herum. "Das ist ein gutes Zeichen, eines, das auch China aufmerksam vermerken sollte (...) es ist in der Tat aberwitzig, ein Regime wie Simbabwe noch üppig mit Waffen und Munition auszustatten", schreibt die New York Times. In Südafrika zeigen ein Priester, eine Bank und Gewerkschaften aus aller Welt, was Zivilcourage ist und was sie (interessensübergreifend) leisten kann - auch wenn (wie Hinweise in den Medien nahelegen) die 77 Tonnen Waffen von der südafrikanischen Regierung Mbeki´s bereits bezahlt waren.
China (und die dort tätigen multinationalen Konzerne!!!) sollten sich tunlichst eine neue Taktik für 2008 überlegen. Sonst wird das olympische Fest ein Kracher, der nach hinten losgeht.
War gestern erstmals im Büro der "Gesellschaft zur Hilfe an das Tibetische Volk", um mit den Leuten dort über meine Idee zu reden, eine Route, die ich am Flakturm ausgedacht und geschraubt habe, "Free Tibet" zu nennen und an ihrem Ende unterm Dachvorsprung eine tibetische Fahne mit Gebetsglocke zu platzieren, die jeder schlagen soll, der sie durchstiegen hat. Und das Feedback war enorm. So gut, dass ich nicht nur mit Tibetfahne und Glocke Richtung Flakturm fuhr, sondern auch noch mit einem Riesentransparent als Leihgabe - mit dem Satz/Slogan "Tibet stirbt und die Welt schaut zu".
Was tun? Sich hinaufnageln unters Dach in Nacht und Nebel und sich selbst als Aktivist ins Zentrum rücken? Auf Slogans setzen oder auf die Arbeit am Begriff? Kurzfristig provozieren oder längerfristig am Weltteig kneten? Wir entschieden uns fürs erste, kleine Brötchen zu backen. Die kleinere Tibetfahne (ohne Slogan und ohne Abbildung des chinesischen Militärs als Feindbild) plus Glocke ans Ende der Route zu hängen. Nicht aus Ängstlichkeit, wohlgemerkt, sondern aus Demut vielleicht. Demut vor der großen Sache.
Da halfen uns auch die Schuhe des Dalai Lama, über die ich im Web stolperte. Sie gingen im Jahr 2005 um die Welt, als die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury sie für ihr Aura-Fotografieprojekt im Rahmen der Ausstellung "THE MISSING PEACE" verwenden wollte. Als diese bei den Ausstellungskuratoren eintrafen, war jeder versucht, die Schuhe des Dalai Lama anzuprobieren. Aber man widerstand dieser vordergründigen Eingebung.
Die Geschichte dahinter erschließt uns Tenzin Tethong, Professor and der Stanford Universität und Präsident der Dalai Lama Foundation, indem er folgendes zur Ausstellung festhielt, das auch für die Installation am Flakturm Geltung hat: "the goal of the exhibition should not be about hero worship, or even the fight for Tibetan freedom. And it's not about how we become the Dalai Lama, or walk in his shoes. Rather the exhibition must show how each of us can walk alongside the Dalai Lama: how each of us has a story, and how that story can share in the Dalai Lama's story -- of compassion, peace, and the unity of all things."
In diesem Sinne ... freu ich mich diesmal ganz besonders über jeden Kommentar!
"Chinese brothers and sisters - wherever you may be - with deep concern I appeal to you to help dispel the misunderstandings between our two communities. Moreover, I appeal to you to help us find a peaceful, lasting solution to the problem of Tibet through dialogue in the spirit of understanding and accommodation." This is how the Dalai Lama ends his appeal to the people of China from today.
In Niederösterreich geht der Wahlkampf in seine heiße Phase. Und Erwin Pröll setzt dabei bewusst auf Themaverfehlung. "Die Welt ist zwar kleiner geworden, aber nicht gemütlicher" heißt es auf einem der Wahlplakate. Ein schöner Satz, nicht? Der Politiker als Dichterfürst, als Denkerstirn. Ein schöner Satz, aber was will er uns sagen? Wird die kleiner werdende Welt gemütlicher, indem wir uns abschotten? Wird sie durch eine menschenfeindliche und feige Asylpolitik gemütlicher? Wird sie durch den von faschistoiden Ressentiments geleiteten Kampf gegen die Islamisierung, die besonders infam scheint, wenn sie nicht aggressiv, sondern "schleichend" ist, wie Haider jüngst erkannt hat, gemütlicher? Oder wird die kleiner gewordene Welt dadurch gemütlicher, indem wir aufhören auszugrenzen und zusammen rücken und dem Fremden, anders Denkenden die Hand reichen?
Sie sehen, warum ich gegen den Dichterfürst bin und für klare politische Programme. Weil ich zwar den Satz schön finde, die Gemütlichkeit, die Pröll meint und die entsteht, wenn alle, die anders scheinen, verjagt sind, nicht teilen kann. Grabesruhe brauchen wir ebensowenig wie joviales Geschunkel.
Sie meinen, das ist ein Unterstellung? Dann schauen sie auf die Webseite der VPNoe und sie werden sehen, dass das Thema Migration nur eine Rolle spielt, wenn es darum geht, die Grenzen zu sichern. Das ist eine Politik, die sie tut als ob. Eine Politik, die sich nicht traut. Die so feige und verlogen ist, wie das Klima in diesem Land, das sie verantwortet.
Habe ein paar Antworten zusammengefasst, die Robert Menasse am Wochenende in bester Essay-Manier als Fragen formulierte und uns von Zauberworten wie "Wettbewerb", "Standort" und "Finanzierbarkeit" besoffenen Europäern ins Gesicht schlug.
Fühlen Sie sich für irgendetwas verantwortlich? Glauben Sie im Ernst, ganz im Ernst, dass Sie Verantwortung tragen? Glauben Sie nicht auch, dass die Dinge so sind, wie sie sind, unabhängig davon, ob Sie Verantwortung tragen oder nicht? Ist das nicht unernst? Oder umgekehrt: Sehen wir nicht darin, wie mörderisch der Ernst der Dinge ist? Ist das, was Sie Verantwortung nennen, nicht bloß Funktionieren? Und wenn Sie funktionieren: Sind Sie stolz darauf? Wenn Sie nicht stolz darauf sind: Warum funktionieren Sie dann?
Sie wissen, was "Gerechtigkeit" bedeutet und dass das keines dieser Zauberwörter ist? Wenn ja, warum nicken Sie dann?
Verachten Sie die Ja-Sager in totalitären Systemen? Warum sagen Sie dann immer Ja, obwohl Sie nicht in einem totalitären System leben und gefahrlos manchmal Nein sagen könnten? Glauben Sie im Ernst, dass Sie erst dann Nein sagen, wenn es gefährlich ist, Nein zusagen?
Glauben Sie, dass Sie in demokratischen Verhältnissen leben, nur weil es täglich behauptet wird? Ist Demokratie für Sie ein Ideal? Bedeutet das, dass Sie sich davon nichts in der Realität erwarten? Oder sind die Realität und Ihre persönlichen Ideale ohnehin schon einigermaßen deckungsgleich? Weil für alles, was Sie in Ihrem Leben erwarten, Demokratie gar nicht erforderlich ist? Was erwarten Sie sich im Leben? Wohlstand, Konsum, Sicherheit, eine einigermaßen funktionierende Infrastruktur an Ihrem Lebensort und als Voraussetzung dafür stetes Wirtschaftswachstum? Dafür bedarf es keiner Demokratie.
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es für einen freien Welthandel unabdingbar und selbstverständlich sein soll, dass es Supermächte gibt und dass die Freiheit nach den Gesetzen der Supermächte definiert wird? Können Sie sich wirklich keine Freiheit ohne Supermächte vorstellen? Was ist das für eine Freiheit? Haben Sie sich einmal gefragt, was so super ist an den Mächten, die zwar Welthegemonie, aber keine Ordnung, keine Chancengleichheit und keinen Frieden im Inneren herstellen können? Haben Sie nicht zumindest die Lust verspürt,diese Supermächte mit ihrer Supermacht alleine mit sich selbst zu lassen?
Unlängst habe ich Indien bereist. Ein sehr farbenfrohes Land. Ich sah Flüsse, die so intensiv blau oder grün waren, oder rosa oder lila oder orange, je nachdem, welche Farben die T-Shirts hatten, die in den Fabriken an den Ufern dieser Flüsse produziert wurden.