Dehydrant ...
Mit Martin durchs Gaisloch hindurch und auf die Lechnermauern ins "Wunderbare Leben". Nach knapp 3 Stunden Zustieg und zwei Seillängen wieder abgeseilt, weil in der brütenden Hitze im oberen 8. Grad nichts zu holen war. Wie einfach alles war: Das Falsche im falschen Moment ist falsch. Das Richtige im falschen Moment ebenso. Danach das erste Mal das wunderbare Gefühl, dass ich hier und heute mit dem schweren Klettern aufhören und mein Leben dadurch erst richtig öffnen könnte. Fast schien es so, als hätte ich der Route eine sehr persönliche Interpretation abgerungen, indem ich mich nicht mehr länger am Stein festkrallen und ihm ein Bewegungskopfstück nach dem anderen abringen wollte, sondern bereit war loszulassen. Ich glitt sozusagen in ein schwarzes Fokussionsloch hinein, das die Hitze um mich bündelte und meine wächsernen Schwingen augenblicklich zum Schmelzen brachte. Dabei dämmerte mir, dass mich am Ende alle Routen im besten Fall in ein wunderbares Leben entlassen. Ein Leben, das nicht mechanisch nach der Wiederholung strebt, sondern nach dem Neuen, nach dem Unvermuteten, das eintritt, wenn Zeit plötzlich nicht mehr ausgefüllt wird mit Geschäftigkeiten. Beim Abstieg dachte ich ans Schwammerlsuchen.
Martin in der sehr knackigen Schlüsselstelle der ersten Seillänge (7a+/7b) über schwarzem Fokussionsloch kletternd.
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coyote05 - 15. Jul, 20:08