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Freitag, 17. Mai 2013

Als Trauergast beim eigenen Begräbnis

9783406647116_cover"Kurz vor dem untersten Treppenabsatz legte Otto eine Pause ein und wandte sich wie gewöhnlich um, um einen Blick zurück auf sein Heim zu werfen. Er fühlte sich von ihm angezogen. Er sehnte sich danach, die Tür, die er gerade geschlossen hatte, aufzustoßen, um das Haus leer zu ertappen. Es war, dachte er, ein bisschen wie der Wunsch, bei seiner eigenen Beerdigung Gefühle hegen zu können."


aus Paula Fox: Was am Ende bleibt ... und meine wärmste Empfehlung - mit der ich auch Jonathan Franzen weiterreiche und ans Herz lege.












Dazu ein Radiobeitrag aus der Schweiz

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Was von der Liebe bleibt

"Wie sich die Zusammenhänge geändert haben: Als ich anfing, Sätze zu verstehen, war der Satz: "Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende" nicht des Glücks und nicht des Endes wegen groß, sondern es war das Klima, in das er strahlte, ein Satz, dem Leben zufloss wie einem Reservoir. Ich hatte Häuser mit Fensterläden gesehen, Blumenstöcke, die Liebe war voller Küsse auf frische Wangen und voller Landwirtschaft.

momentum Inzwischen ist dieser Satz gekapert worden vom Bild des Glücks über der Halbfett-Margarine oder vom Geräuschdesign der zugeschlagenenen Wagentür. Das alles soll Glück vermitteln, Dauer verheißen. Es ist, wie wenn die Frau in jener Krise, die man so nüchtern "Partnerschaftskrise" bezeichnet, sagt: "Denk an die schönen Momente, die wir miteinander hatten." Und der Mann blickt vor sich hin und kann sich nicht erinnern. Da waren Zeit, Strecke, Fläche, Raum, Wolkenkontinente und Klangabfall, doch wo sind die Momente?

Zum Ausgleich sah ich mir, wo immer ich konnte, die jungen Liebespaare an: Sie küssen sich wie an ein Sauerstoffgerät angeschlossen, umklammern sich wie den Balken auf hoher See. Es geht immer um alles, sie küssen an allem vorbei, auf das ganze Leben zu und werden diesen Kuss am Ende vielleicht doch vergessen, während er den Betrachtern erhalten bleibt."


Auszug aus Momentum, Roger Willemsen

Freitag, 25. Juni 2010

Warum vertreibt Frau Ennsthaler JAN van HELSING und den ARUN Verlag??

So: und nun stelle ich mir selbst ein Bein: Peinlich! Alle aufgepasst.

Habe nicht überprüft, was es mit dem erwähnten JAN VAN HELSING und mit dem ARUN-Verlag auf sich hat … hier nun zwei Links dazu, die alles zumindest in ein sehr zweifelhaftes Licht tauchen.

Meine Frage:
Steht hinter dem THALIA-VORGEHEN vielleicht ein inhaltliches Ressentiment?? Dann wären sie die Guten … Wenn dem so ist, könnte der offene Brief von Frau Ennsthaler einfach nur über die wahren Tatsachen hinwegtäuschen …

Andererseits: Wenn man sich Programm von www.books4you.at anschaut, findet man Autoren wie Jean Ziegler, Günter Wallraff, Anselm Grün, Peter Scholl-Latour, etc ...

Trotzdem: der fahle Beigeschmack bleibt. Und ich habe mich entschlossen, mir in aller Öffentlichkeit selbst das Bein zu stellen. Peinlich, ich weiß. Aber was bleibt mir anderes übrig? Zu warten und darauf hoffen, dass niemand merkt, dass ich bis zu den Hüften in der Sch...e stehte? Transparenz ist die einzige Waffe, die ich habe ...

Unterm Strich liefere ich damit ein herrliches Beispiel für die Fragwürdigkeit einer „Kultur des Weiterleitens“. Schönes Exempel. Ich.

Sorry an alle: mache sich bitte jeder für sich ein Bild aus diesen Fakten …

Bitte demütig und klein um Nachsicht!
Wolfgang Tonninger

Offener Brief: Die Geschäftspraktiken von THALIA

Dies ist ein offener Brief von Regina Ennsthaler - Inhaberin einer kleinen Buchhadlung und eines Verlags in Steyr/Oberösterreich. Ich muss gestehen, ich kannte bislang weder Buchhandlung noch Verlag. Doch dieser Brief schreit nach einer Verbreitung - vielleicht können wir als Social Media Proponenten unseren Teil dazu beitragen, dass dieses Unrecht so nicht praktikabel ist. Helft. Werdet Aktiv. Danke!

UND HIER DER BRIEF von FRAU ENNSTHALER:


Liebe Freunde

Täglich bekomme ich und Ihr Emails mit der Bitte Stellung zu beziehen, es geht um Walfangquoten, Delfine zu schützen, BP aufzufordern die Kosten für ihr Chaos zu übernehmen usw. Natürlich beziehen wir Stellung, schicken Mails weiter unterschreiben und wünschen uns, das wir etwas bewirken und das tun wir auch.

Und manchmal passiert etwas, da trifft es uns persönlich, da kommt das Leben mit voller Wucht daher, da können wir uns nicht entziehen. Und dann bist du plötzlich wie vor den Kopf geschlagen, hilflos von Angst geschüttelt und fragst dich, was tun gegen eine scheinbare Übermacht, mit der Du plötzlich konfrontiert bist, die Dich bedroht und so viel größer ist, so viel mehr Geld hat als Du. Und dann musst Du Stellung beziehen, über die Angst gehen, es fordert Dich persönlich heraus, Deine Haltung wird überprüft, ob Du Dich persönlich beugst oder Haltung zeigst, Wiederstand leistest.

Nun zu unserer jetzigen Situation:

Wir sind seit 65 Jahren ein Familienbetrieb, haben 20 Angestellte, wir haben eine Buchhandlung, eine Auslieferung ( wir liefern deutsche Verlage, wie Arun, Jan van Helsing, Nietsch und viele andere Verlage in Österreich aus) und haben auch einen Verlag mit dem Motto" Bücher für ein bewusstes Leben" Wir sind ein ganz normaler mittelständischer Betrieb in Oberösterreich wie so viele andere auch. Mittlerweile arbeitet die dritte Generation unserer Familie in unserer Firma. Als Familie sind mein Mann und ich seid 38 Jahren ein glückliches Team, wir haben 6 Kinder, darunter ein liebenswerte besondere Tochter mit Downsyndrom, Schwiegerkinder, sechs Enkelkinder, also eine geballte Kraft an Leben und Lebendigkeit mit allem Chaos, das so eine große Familie mit sich bringt. Wir haben es im Griff und halten zusammen.

Leider hat Thalia jetzt sein begehrliches Auge auf uns geworfen. Sie hätten einfach mehr Umsatz, wenn es unsere Buchhandlung nicht gäbe, wenn sie unseren Standort hätten. Sie haben uns vor einem halben Jahr ein Kaufangebot gemacht, wir haben kurz überlegt und dann abgelehnt. Ein ganz normaler Vorgang, das war es, dachten wir. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine branchenübliche Geschäftsbeziehung mit Thalia, sie haben unsere Bücher aus Verlag und Auslieferung bestellt, wir hatten eine gute Geschäftsbeziehung. Bei Thalia gab es einen Geschäftsführerwechsel, einer der beiden Geschäftsführer verlies die Firma und es kam ein neuer Geschäftsführer aus Deutschland. In Deutschland ist Thalia marktführend und hat laut Wikepedia alle großen Verlage ziemlich im Griff. Nun weht ein anderer Wind, wäre doch gelacht, diesen kleinen Ennsthaler in Steyr nicht in den Griff zu bekommen. Der deutsche Geschäftsführer kam in unser Haus zu einem Vorstellungsbesuch, wie er sagt. Leider war dieser Besuch kein höflicher, wie wir dachten. Entweder wir verkaufen oder sie bestellen nichts mehr bei uns. Mein Mann hat ihn höflich aber bestimmt hinausgeworfen. Naiv wie wir waren hat mein Mann noch den österreichischen Geschäftsführer informiert über das Verhalten seines Kollegen. Der hat uns erklärt, dies sei die übliche Vorgehensweise von Thalia und es zählen nur Fakten, Emotionen hätten da keine Platz.

Das Verhalten von Thalia ist erstmalig im österreichischem Buchhandel, es weht also ein neuer Wind. Verkaufst Du nicht, zerstören wir Dich. Ich will haben, ist das Motto. Wir sind jetzt als Verlag und Auslieferung in den Computern von Thalia gesperrt. Als Kunde könnt Ihr keine Bücher mehr von uns bei Thalia kaufen. Offizielle Begründung, Ennsthaler hat die Geschäftsbeziehung mit Thalia eingestellt., so wurde es auch angeblich den Angestellten von Thalia mitgeteilt. Wir haben eine Gegendarstellung gemacht, haben klargelegt, wir verkaufen unsere Buchhandlung nicht, das ist eingestellt, dies hat nichts mit unserer Auslieferung oder dem Verlag zu tun. Die Antwort ist, solange dieser "strittige" Punkt nicht geklärt ist, wird nicht bestellt. Wir sind kein strittiger Punkt in der Welt von Thalia, wir sind eine Familie, die ihre Buchhandlung einfach behalten will. Punkt.

Sie haben jetzt die Vorgehensweise verschärft, indem sie Keile zwischen uns und unseren Autoren treiben. Sie erklären unseren Autoren, wen sie ihre Werke direkt an sie liefern, dann verkaufen sie die Bücher. Sie rufen die Verlage an und versuchen direkt zu bestellen, mit der Begründung, sie nehmen keine Bücher mehr von Ennsthaler an. Sie haben den Bücherpaketdienst angerufen und angewiesen, keine Bücher mehr zuzustellen, die von uns kommen. Sie zwingen also die Verlage, vertragsbrüchig zu werden und direkt zu liefern oder die Auslieferung zu wechseln. So sitzen wir ganz schön in der Zwickmühle.

Nun ich bin eine Frau, bin Ehefrau, Mutter, Großmutter, Schamanin, liege in den letzten Monaten meiner Ausbildung zum systemischen Lebensberater, hab meine Kinder zu aufrichtigen Menschen erzogen und habe den Glauben an das Gute in der Welt noch nicht verloren. Es ist mir wichtig, welche Welt ich meinen Kindern und Enkelkindern überlasse. Die Spiele der großen Herren dieser Welt habe ich nie verstanden. Ich will in dieser Welt einen kleinen positiven Fußabdruck hinterlassen, nach meinen Möglichkeiten.

Ich habe mich am Wochenende gefragt, was ist meine Rolle in diesem Spiel des Lebens. Diejenigen von Euch, die mich besser kennen, wissen, ich neige nicht dazu, laut in die Öffentlichkeit zu gehen, für meine Belange schon gar nicht. ich löse meine Geschichten lieber alleine und im stillen Kämmerlein. Es fällt mir schwer zu sagen, jetzt brauche ich Hilfe, jetzt reicht es.

Jetzt ist offensichtlich die Zeit, wo mich das Leben auffordert, hinauszutreten aus der stillen Kammer, weil es jetzt nicht mehr alleine geht. Ich habe Emotionen, auch wen das von Thalia nicht erwünscht ist. Wir haben uns aus ganzem Herzen bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen, Wege offen zu lassen, damit sich die Lage beruhigen kann. Die letzten Monate habe ich mich immer gefragt, wem diene ich, der Angst oder der Liebe. Ich habe mich für die Liebe entschieden. Ich habe auch keine Angst, wir werden überleben als Menschen und als Seele.

Manchmal ist es aber an der Zeit Grenzen zu setzen, Grenzen die so stark sind, das sie spürbar sind für den, der sie verletzt. Die Wahrheit zu sagen, nicht mehr leise zu ertragen, weil die Methoden der Konzerne subtil und zerstörerisch für uns alle sind. Sie passieren in unserer Stadt, in unserem Umfeld und wir bekommen sie oft nicht mit, weil wir uns schämen, das es uns passiert, weil wir keine Hoffnung haben, das uns geholfen wird.

Mit manchem von Euch habe ich gesprochen, Ihr habt mir gesagt, gehe an die Öffentlichkeit. Nun dies ist der erste Schritt dazu. Als Frau sagen ich jetzt, ich stehe diesen Spielen von Zerstörung und Vernichtung eines menschlichen und wertschätzenden Umgangs miteinander, nicht mehr zur Verfügung. Es kann nicht sein, das das einzige Ziel die Gewinnmaximierung eines Konzerns ist.

Jetzt ist es an der Zeit für mich laut zu werden, ein positives Signal zu setzten, so geht es nicht, das muss anders werden.

Ich bitte Euch um Eure Unterstützung für uns und unsere Mitarbeiter( unsere Mitarbeiter und ihre Familien sind uns einfach wichtig, wir wissen auch, wen wir verkaufen, sind sie arbeitslos, Thalia übernimmt sie sicher nicht) Eure positiven Ideen, was immer jetzt auch helfen mag. Schickt das Email weiter, haltet meine HandSmiley Emoticon, gebt Eure Kundenkarte bei Thalia zurück, sprecht sie drauf an ( übrigens, die normalen Angestellten von Thalia, sind nicht glücklich über diese Vorgehensweise und können nichts dafür, wie ihre Chefetage vorgeht , wie wir aus einigen Telefonaten mit Filialen wissen ), bestellt Eure Bücher bei uns oder dem örtlichen Buchhändler ( der kann es auch brauchen, schmöckern könnt Ihr ja bei Amazon und dann unterstützt den kleinen Buchhändler, indem ihr bei ihm kauft. Der Preis ist ja der selbe, weil es ja einen gebunden Ladenpreis gibt).

Ich habe keine Ahnung, was momentan hilft, aber ich bin überzeugt, das es eine Lösung gibt, die gut für uns alle.

Ich wünsche Euch viel Bewusstsein, einen aufrechten Gang und danke Euch für Eure Geduld, das Ihr diese lange Email gelesen habt.

Alles Liebe
Regina Ennsthaler

Montag, 7. Mai 2007

Die Spuren der Verirrten ...

Ohne Dritten sind wir nichts, taugen wir nichts als Paar. Keine Handlung mehr, nur noch Spuren, die sich verlaufen. Schon damals in der Schulzeit hätten wir es wissen müssen - beim ersten Alleinsein mit dem ersehnten Gegenüber ohne unsere Klassenkameraden -, dass da etwas fehlte. Wir waren aufeinander geworfen, hilflos Hand in Hand, ohne den Dritten. So allein waren wir niemals zuvor allein.

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Der Mann: "Bisher hat es noch jedesmal einen Dritten gegeben, der uns dann aufhalf, wunderbar. Wunderbarer Dritter. Der uns zweien heraushalf, einfach, indem er der Dritte war." Doch jetzt: "Kein Dritter weit und breit."

Der Dritte: "Die Zeit ist um. Das Ende der Zeiten. Der Jüngste Tag. Es gibt die Zeit nicht mehr, die Zeit `Zeit´. Es ist aus mit der Zeit. Zwar werden Tage und Jahre sein, aber die Zeit wird nimmer sein. Zwar werden Jahre vergehen, aber die Zeit wird nimmer vergehen."

Der Dritte: "Ich hätte all die Zeit selber einen Dritten gebraucht, und mein Dritter wieder seinen Dritten. Streitfrage unter den Zeit-Wissenschaftlern, was wohl zuerst kam: Zeit weg, AUfgebrauchtsein des Elements der Elemente, des Grundstoffs Zeit, und in der Folge Verschwinden des Gegenüber, des Nachbarn, des Nächsten, des andern - oder umgekehrt zuerst das Verschwinden des andern, und dann das In-Atome-Zerfallen, Sich-Verflüchtigen und Erlöschen der Zeit."

Mittwoch, 28. März 2007

Das Wetter von vor 15 Jahren ...

Gerade Das Wetter vor 15 Jahren von Wolf Haas verschlungen, mehr als 200 Seiten lang aus dem Staunen nicht herausgekommen. Wie macht der das nur, dass das so aufregend ist, mit so viel Suspense und so viel Spannung - nicht nur zwischen dem Autor und der (weiblichen) Literaturbeilage, sondern auch, was die Geschichte zwischen dem Herrn Kowalski und Anni angeht.

200 Seiten verschlungen, wie gesagt, und jetzt - beim Durchblättern - finde ich keine einzige Passage, die ich zitieren möchte. Hat das zu tun mit dem Geheimnis? Dass die einzelnen Gesprächsteile, die dieses Buch ausmachen, so beiläufig bleiben und gleichzeitig so aneinandergekittet sind, dass man nichts herauslösen kann, ohne dem Ganzen Gewalt anzutun. Ist das das Geheimnis, dass mich vor lauter Befangenheit ein beinahe zwanghafter Impuls treibt, den Titel zu verändern und zu schreiben: Das Wetter von vor 15 Jahren - mein ganzer Beitrag zur Wirklichkeit und Differänz wie Klaus Nüchtern seine Laudatio in Braunschweig titelt, sagt das nicht alles über den Meister aus Maria Alm? Meine Empfehlung!

Montag, 26. März 2007

Ein Wunder eigentlich ...

Ein Wunder eigentlich, dass so viele von uns am Abend zurück nachhause finden, nicht wahr? ... Ein Wunder eigentlich, wie wenige es sind, die Tag für Tag verloren gehen, nicht wahr?

Was Peter Handke hier in seiner Vorwintergeschichte macht, nennt Willi Winkler in der Süddeutschen die Beschwörung "gottverlassener, trostloser Gegenwartswelten" . Schön gesagt. Was mich verwirrt, ist der Schatten Thomas Bernhards, der Handke über die Schultern schaut, nicht wahr? Wer kann sich erinnern .... an diese provozierend, ironische und zugleich liebenswürdig, verzweifelte Infrage-Stellung des gerade erst Behaupteten, die wunderbaren Interviews, die Krista Fleischmann 1981 in Wien, Madrid und Mallorca für den ORF führte? Es war eine große Nähe spürbar zu dieser Frau, oder war es gar Verliebtheit, ein Versprechen, ihn herauszuführen aus seiner einsamen Schriftexistenz?

Peter Handke: Kali. Eine Vorwintergeschichte, Suhrkamp 2007
Thomas Bernhard - Eine Begegnung. Gespräche mit Krista Fleischmann. Suhrkamp 2005.

Freitag, 23. Februar 2007

Zentrum sein ...

Soll man sich schon im voraus beeilen? Auf Vorrat. Auf Verdacht? Für den Fall, dass vielleicht einer anruft? Anrufen könnte? Vielleicht? Auf jedem Heimweg jedesmal zehn Minuten eher dran? Und immer mehr Zeit dazugespart? Vor sich selbst her? Peter Kurzeck in: Oktober und wer wir selbst sind, Stroemfeld , Frankfurt 2007

Diese innere Ruhe wiederfinden. Die einen davor bewahrt, der Welt hinterher zu rennen. Wo doch klar sein sollte, dass die Welt immer schon da ist und niemals einholbar - dass sie kommt, wenn sie kommt. Dreh dich, dreh dich, dreh dich - (zumindest im Kleinen, im Unbedeuteten (nicht Unbedeutenden!), im Detail, das keine Deutung kennt) um mich.

Sonntag, 26. November 2006

Die Möglichkeit einer Insel

Eigentlich sind mir Buchkritiken verhasst, aber dies hier muss sein. Und gleich vorneweg: Von den Elementarteilchen war ich begeistert. Danach hatte ich mich Houellebecq nur mehr über die Sekundärliteratur des Feuilletons genähert und wusste also, dass er seinen politisch nicht korrekten Weg weitergegangen war - mehr nicht. Es war also Zeit, ihm eine zweite Chance zu geben. Wer bin ich, der diesem Autor eine Chance gibt? Im Buchsupermarkt Thalia bestätigte diesen Zugang auch gleich eine Verkäuferin - das Buch sei gegen den Islam und gegen die Juden und überhaupt vollkommen unhaltbar. Ok, muss sein, dachte ich - und bekam auf das stark abgegriffene Schmökerbuch einen Rabatt von 25%. Ich hatte also schon so eine Vorahnung, dass es an die Wände fliegen könnte, und begann zu lesen.

Die ersten hundert Seiten gings, dann wurde es immer widerlicher, immer schwieriger - auch weil sich die Lektüre neben den inhaltlichen Wiederholungen und Banalitäten auch formal als einziges Desaster erwies. Nach dem ersten Gedicht, das Daniel an die Liebe schreibt, sollte man eigentlich das Buch zuschlagen. Alles andere ist ein öder Aufguss bereits bekannter Themen. Ein Dank an Gregor Dotzauer, vom Berliner Tagesspiegel, der meinen Unmut schon am 25.8.2005 in Worte fasste und Houellebecq den Tipp gab "Leitartikel zu schreiben, Manifeste an Türen zu nageln, oder, wenn es sein muss, eine Partei zu gründen. Aber er braucht nicht Romane zu schreiben, mit Figuren, die nur Hüllen von Meinungen sind. Er soll lieber gleich Essays verfassen, wie Houellebecq selbst es glänzend versteht. Deshalb kann man noch hundertmal sein widerspenstiges, sich Stilanstrengungen bewusst verschließendes Schreiben rühmen: Was das Literarische an seinen Büchern ausmacht, bleibt offen. Und was dessen Anschein erweckt, ist eine öde, unrhythmische, aus den Schlacken des 19. Jahrhunderts bestehende Beschreibungsprosa."

Interessant dazu auch Thomas Steinfeld in der Süddeutschen am 24.8.2005: "Die große Schwäche dieses Romans: er ist ein Lamento, ein einziges großes Dokument der Wehleidigkeit (...). Diesem Lamento ist der wüste Zorn gewichen, der Michel Houellebecqs frühe Romane auszeichnete, der Wille zum Skandal, der wütende Aufstand gegen die Normalität, das Korrekte und den radikalen Individualismus, der in der sexuellen Freizügigkeit den letzten Rest individueller Würde der freien Marktwirtschaft überantwortete. ... Rückblickend betrachtet, ist diese verzweifelte Wut Stück für Stück, Buch für Buch aus dem Werk von Michel Houellebecq verschwunden (...). Das Aufbegehren gegen eine gigantische, so politische wie soziale Zumutung ist fort, und damit die Dringlichkeit, das Fahrige, Disparate und doch unglaublich Insistierende, das (...) Ausdruck einer Gemeinsamkeit war zwischen dem, was er als Schicksal empfand, und dem, was diese Gesellschaft als ihr Los erkannte."

Wenn Houellebecq als Zeitkritiker ernst genommen werden will, braucht er ein paar radikale (und neue) Gedanken mehr und einige schlechte Witze weniger. Und noch etwas: Wer irgendetwas über den "Schmerz des Alterns" lesen will, dem empfehle ich die Lektüre von Philip Roth: Everyman - das ist Literatur!

Dienstag, 21. November 2006

Zur Lage der Welt

Zwei Lektüren bei Thalia erstanden. Halte sie in der an den Händen und wäge ab. In der einen den ATLAS DER GLOBALISIERUNG mit dem spannenden Untertitel "Die neuen Daten und Fakten zur Lage der Welt" und in der anderen der neue, alte Houellebecq und die MÖGLICHKEIT EINER INSEL. Auf der einen Seite also das korrekte politische Bewusstsein und auf der anderen Seite die personifizierte "political uncorrectnes," als die er im Feuilleton gegeiselt wird. 25% Rabatt habe ich mir ausverhandelt, weil der Umschlag so abgegriffen war. Den hat jeder in der Hand und niemand liest ihn, denke ich und gebe ihm - nach den ELEMENTARTEILCHEN, die mich von hinten bis zum Erbrechen würgten: ein wunderbares Buch, das man niemanden empfehlen kann - eine zweite Chance.

Noch immer halte ich die beiden Bücher in den Händen. Besser gesagt: das eine Buch und das andere 200 Seiten A4-Magazin, das sich Atlas nennt. Aber Atlanten sind doch im Normalfall nicht biegsam, oder? Die einen, dozierenden warnen jedenfalls gleich zu Beginn: "Wer in diesem Atlas liest, läuft Gefahr, von lähmender Verzweiflung erfasst zu werden", der andere, gefährliche, umarmt: "Willkommen im ewigen Leben, meine Freunde ... Ich stehe nach dem dem Ende der Welt in einer Telefonzelle. Ich kann so viele Telefongespräche führen, wie ich will, mir sind keine Grenzen gesetzt."

Als Vorgangsweise empfiehlt sich also die folgende: Man blättert den Atlanten bis ans Ende der Welt und öffnet dann das Buch von Houellebecq. So könnte es funktionieren. Ich denke an Baudrillard, den ich vor Jahren überlas und zitiere ihn heute absichtlich falsch: "Dass es so weitergeht und dass wir im ewigen Leben telefonieren müssen, ist die Katastrophe".

Siniweler - Ohne Tal

Kein Ort zum Verweilen, nirgends. Wohin uns die Reise führt? Geradewegs lotrecht zu allem, was das Herz schneller schlagen lässt.

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